Schnee? Fehlanzeige!

Ausserordentlicherweise war das Check-In im Reka-Dorf bereits am Freitag. Die Kinder waren aber noch in der Schule, so dass wir erst um etwa halb fünf losfahren konnten. Eine ideale Zeit, um irgendwie durch oder um Zürich herum zu kommen.

Blatten-Belalp, 23.-30. Dezember 2016

Schon bei Winterthur war es dunkel, so wirklich merkt man noch nicht, dass die Tage schon wieder länger werden. Ausser auf dem Nordring hatten wir freie Fahrt. In Amsteg leitete uns das Navi auf die Kantonsstrasse und wir fuhren am 7-Km-Stau vorbei, der sich wie ein Tatzelwurm Richtung Gotthard wand… Autoverlad durch den Furka, das Goms runter und wieder hoch auf über 1’200 m – inzwischen sind wir in Blatten bei Naters im Oberwallis angekommen. Schnee? Fehlanzeige!

Vor Sonnenaufgang bot das Morgenleuchten am Wasenhorn (Punta di Terrarossa) und Monte Leone ein unvergleichliches Schauspiel.

Morgenleuchten am Wasenhorn
So hatte man uns Blatten schmackhaft gemacht…
…und so präsentierte sich das Dorf am Heilig Abend.

Bescherung unter Plastikbaum

Den Tag verbrachten wir im Hallenbad und auf einem Spaziergang zu einem Aussichtspunkt am Blindbärgji (das schreibt sich wirklich so) und passierten dabei auch den alten Dorfkern von Blatten, das ganzjährig nur noch rund 140 Einwohner hat.
Weihnachten ganz ohne Baum geht natürlich nicht, aber wir hatten vorgesorgt: Ein 60cm-Exemplar mit LED-Kerzchen (echte Kerzen sind im Reka-Dorf sowieso verboten). So hatten wir etwas Weihnachtsstimmung, mit einem Schmunzeln im Gesicht. Der Baum war klein, aber dafür die Bescherung umso grösser. Die Kinder erhielten ihre Polaroid-Drucker für’s Smartphone und die Dinger produzieren wirklich Bilder in erstaunlicher Qualität.
Madeleine verbrachte einen guten Teil des Nachmittags damit, einen wunderbaren Kartoffelsalat zu basteln, den wir dann – klassisches Weihnachtsmenü – mit Wienerli zum Znacht serviert bekamen.

Auf der Piste

Den Weihnachtstag begann ich im Fitness. Madeleine und Lily wagten sich dann auf die Piste, Mia (verletzt, darf nicht Skifahren oder Snöben) und ich folgten zum Zmittag im Chalet Sepp auf der Chiematten um halb Eins. Während Madeleine und Lily im Anschluss daran weiter die Pisten unsicher machten, wanderte ich mit Mia zum Aletschboard, von wo aus eine spektakuläre Aussicht auf den Aletschgletscher versprochen wurde. Ich war schockiert. Der grösste Gletscher Kontinentaleuropas ist massiv geschrumpft. Ich erinnere mich noch an den Einstieg auf den Aletschgletscher 1996, als ich mit Roli, Claudia und Silvio von der Bettmeralp zur Konkordiahütte wanderte.

Aletschgletscherchen vom Aletschboard aus. Rechts die Riederalp.

Da waren noch einige Meter mehr Eis. Dafür hatten wir tolle Sicht auf Rimpfischhorn, Alphubel und Dom.

Rimpfischhorn, Alphubel und Dom

Schnee hat’s keinen, auch auf über 2’000 m, aber die Talabfahrt ist voll ausgepolstert, auch wenn auf den noch aperen Strassen Autos und keine Skifahrer zirkulieren.

Wenig Schnee auch auf über 2’000 m. Hier bei der Bergstation Belalp.

Blindbärgji

Der Morgen begann mit Fitness (wie immer…). Es zeichnete sich schnell ab, dass die Sonne wohl voll durchkommen würde und so nicht wirklich mit einer Verbesserung der Pistensituation gerechnet werden konnte (obwohl die fahrbaren Pisten offenbar ganz O.K. waren). Mit Mia plante ich schon gestern, dass wir heute auf’s Blindbärgji gehen würden und so waren wir dann zu viert auf diesem Ding zwischen Spaziergang und Wanderung.
Bald waren wir auf dem höchsten Punkt angelangt, die Aussicht war hier aber durch Bäume verdeckt.
Es folgte der Abstieg auf ein kleines Plateau, auf dem wir gleich die Strandtücher hätten ausbreiten können, so stark brannte die Sonne.

Frühlingshafte Temperaturen nahe der 20°-Marke

Es war völlig unberührtes Gebiet. Man hatte nicht den Eindruck, dass in letzter Zeit mal jemand hier gewesen war. Der Rückweg führte vorbei an tiefen Schründen und märchenhaften Moosgebieten.

Unberührte Natur

Nach dieser «Anstrengung» hatten wir die Entspannung im Hallenbad verdient.

Gibidum-Stausee alleine

Die Wanderung zum Gibidum-Staudamm stand auf dem Programm für all jene, die keine Skis oder Snowboards dabei haben. Die anderen waren nämlich bei hervorragenden Verhältnissen auf der Piste.
Aber der Reihe nach: Der Morgen begann etwas durchzogen (ich war im Fitness, das war es nicht): Man entschuldigte sich hier in Blatten für den fehlenden Schnee mit der Bemerkung, es hätte dafür keinen Nebel. Und heute Morgen hatte es – richtig geraten – Nebel.

Nebliger Tagesbeginn

Während Madeleine und Lily wie angekündigt sich auf den Weg zur Piste machten, hatte Mia «heute zu gar nichts Lust». Na ja, ein Mensch in ihrem Alter hat auch ein Anrecht auf Entschleunigung, so machte ich mich alleine auf den Weg zum Gibidum-Stausee. Was für ein Weg! Märchenhaft. Der Weg ist im Winter als Schneeschuh-Wanderweg ausgezeichnet.

Wie in einer anderen Welt
Wo sind die Elfen?

Der Gibidum oder Gibidem-Staudamm ist 122 m hoch und staut bei Vollbefüllung 9.2 Mio. m³ Wasser. Der Strom wird dann in Bitsch erzeugt, 743 m tiefer. Das Kraftwerk produziert jährlich 550 Mio kWh, das reicht für die Versorgung von etwa 110’000 Haushalten.
Momentan wird aber gar nichts produziert, der Wasserstand ist nicht nur weit unter dem notwendigen Minimum, sondern es hat schlicht kein Wasser. Auch der Zustieg zur Staumauer ist spektakulär.

Elegante Bogenstaumauer
Kein Wasser
Spektakulärer Zustieg
Fast schon filigran

Gibidum zum zweiten

Schon am frühen Morgen (gleich nach dem Fitness) zeichnete sich ein Prachtstag ab. Kein Wölkchen am Himmel und so blieb es.

Start in einen weiteren Prachtstag

Madeleine und Lily zog es verständlicherweise wieder auf die Pisten, aber heute mochte sich sogar Mia bewegen. Und zwar gut. Schnell waren wir durchs Märchenland beim Stausee angelangt.

Dank Beschneiung gute Verhältnisse.

Vor dem Staudamm schafften wir ein Selfie im T-Shirt (es war inzwischen wirklich heiss geworden). Anschliessend nutzte die Göre die Gelegenheit, hinter meinem Rücken Faxen zu machen.

Man kommt immer wieder an verwunschene Orte
Gefahrloses Wandern auf der Piste…

Danach gings ins Fitness (Madeleine) oder ins Hallenbad (die Kinder und ich).

Das sehr gut ausgerüstete Fitness-Studio
Hallenbad mit spezieller Aussicht

Burga

Nachdem uns Cornel immer mit seinen Temperaturanzeigen aus Cape Coral (FL) quält, muss ich heute mal entgegenhalten. Wir hatten heute 16°, Leuthards morgen Freitag «nur» 18°, wenn wir also so weitermachen, dann haben wir morgen wärmer…

Schon eher ungewöhnlich

Strahlende Sonne, noch wärmer, die Pisten immer schmäler (oder hat’s nur mehr Leute?): Alternativprogramm. Wandern. Ausgerechnet. Das lieben ja die Kinder. Interessanterweise gibt’s jeweils ein grosses Gemotze zu Beginn und irgendwann legt sich dann die Rage wieder etwas und häufig schlägt die Stimmung dann sogar noch in relative Begeisterung um (sie können ja nicht wirklich zugeben, wie toll es war, man will ja kein Präjudiz für’s nächste Mal schaffen). Es ist ja auch so, dass wir versuchen, entweder einen attraktiven Weg oder ein interessantes Ziel oder noch besser, beides, anzubieten. Das ist uns heute scheinbar gelungen. Das Ziel hiess Burga, ein schroffer, markanter Felsen, der 200 m über Blatten thront und von einer Walliserfahne markiert wird.

Blick von der Burga auf Blatten

Den mit dem Weg durchs Märchenwunderland bringe ich jetzt nicht mehr, auch wenn es diesmal wieder so war.

Aufstieg zur Burga

Oben angekommen war die Aussicht grandios, auch auf das Reka-Dorf, ein energetischer Selbstversorger und nicht etwa auf frisch eingezontem Bauland entstanden, sondern auf dem ehemaligen Parkplatz der Bergbahnen Belalp. Durch ein Parkhaus wurde der Platz frei.
Die Stimmung war sichtlich gut, für’s Hallenbad hat’s dann natürlich auch noch gereicht.

Familien-Schatten-Selfie

Von der Sonne in den Nebel

Leider sind die Ferien schon wieder vorbei.
Bis kurz vor Spiez waren wir dann in der Sonne, danach nur noch Nebelsuppe. In Muri feierten wir noch verspätete Weihnachten mit Madeleines Familie. Um ca. halb vier machten wir uns auf den Weg nach hause, ich befürchtete das Schlimmste in Sachen Verkehr – weit gefehlt. Wir brauchten nicht einmal zwei Stunden bis nach Schaffhausen.

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