Milchstrasse, Teil 1

Aller Anfang ist schwer – das zeigt sich einmal mehr bei einem Vorhaben, das sich nicht besonders kompliziert gestaltet, aber wenig Toleranzen hat, wenn die Grundvoraussetzungen nicht erfüllt sind. Mit anderen Worten: Wenn man zwar weiss, wie es geht, dann aber aus irgendwelchen Gründen sich nicht an die eigenen Vorgaben hält, dann kommt es eben nicht so heraus, wie man sich das wünschte.

Darum ist der Titel auch mit «Teil 1» ergänzt, weil es sicher weitere geben wird…
Angefangen hat es mit der grandiosen klaren Frühlingsnacht Anfang April. Die Sicht Richtung Westen bot, trotz Lichtsmog, ein faszinierendes Sternenbild und weckte Erinnerungen an frühe Jugendjahre, wenn mein Vater uns jeweils die Sterne und Sternbilder zeigte.

Mit Hilfe einer interaktiven Sternenkarte war es relativ einfach, die funkelnden Punkte zu identifizieren. Die Aufnahme gelang freihändig.

Als nächste machte ich mich einmal schlau über die Grundlagen der Sternenfotografie. Hier bin ich dann beim Crashkurs zur Sternenfotografie gelandet, der das Wichtigste kurz und bündig beschreibt. Wichtig ist, neben Ort und klarem Wetter, auch der richtige Zeitpunkt. Viel Fremdlicht wie in einer Vollmondnacht beeinträchtigt die Sicht auf die Sterne, aber auch hierzu gibt es Abhilfe: Eine App, die ich mir dann gleich in der Pro-Version geleistet habe (CHF 5.90): PlanIt! für Fotografen Pro. Der nächste günstige Zeitpunkt wurde angezeigt für Samstag, 22. April 03:00 Uhr. Als ich Freitag nachts den Wecker auf 02:30 Uhr stellte, war ich noch nicht so sicher, ob ich denn das Abenteuer wagen würde.

Aber es fiel mir leicht, aufzustehen und so war ich bald Richtung Hemmental unterwegs, um vom Chlosterfeld aus das Experiment zu starten.

Ich hatte alles im Griff: Die Ausrüstung bestand aus Stirnlampe, Kamera, 16-35 mm-Objektiv (leider nur Lichtstärke 4), Stativ und Fernauslöser. Eingestellt war alles auf manuell, ISO 800 zum Beginn (später bis 3’200), Spiegelvorauslösung, 30 Sekunden Belichtungszeit bei Blende 4. Für die Entfernungseinstellung benützte ich einen Trick aus dem Crashkurs: Im Liveview-Modus einen hellen Stern maximal vergrössern, dann lässt sich die Distanz sehr fein justieren.

Auf dem kleinen Display der Kamera schienen die Bilder toll zu sein…

Sterne als Striche statt als Punkte. Das hätte sich vermeiden lassen…

…wenn ich denn mal kontrolliert hätte, auf welche Brennweite ich eingezoomt habe. Damit keine Striche entstehen, gibt es eine Faustregel: Die maximale Belichtungszeit in Sekunden = 500/ Brennweite. Ich bin natürlich davon ausgegangen, mit meinen 16 mm 31 Sekunden lang belichten zu können. Für meine eingestellten 30 mm wären noch knapp 17 Sekunden zulässig gewesen. Zu meiner Entschuldigung muss ich doch sagen, dass im Liveview-Modus eigentlich gar nichts zu erkennen war, wenn es sich nicht um ein Objekt mit hohem Kontrast handelte.

Und trotzdem ist der Milchstrassennebel gut erkennbar

Das Ganze hatte zwei negative Konsequenzen: Weniger Himmel auf den Bildern und Striche statt Sterne. Unberührt davon blieb das Erlebnis in der Natur. Wenn sich die Augen und Ohren langsam an die Dunkelheit und Stille gewöhnt haben, dann kann man plötzlich Dinge wahrnehmen, die auch durchaus «Überraschungspotential» haben.

Blick Richtung Süden über Cholfisrt und im Hintergrund sogar noch Üetliberg

Bilder bei heiklen Lichtverhältnissen sollten unbedingt im RAW-Format aufgenommen werden. So hat man auch bei der Nachbearbeitung viel mehr Möglichkeiten, weil keine Bildinformationen schon automatisch rausgefiltert worden sind. Das war der zweite Fehler nach der falschen Brennweite.

Nicht perfekt, aber trotzdem schön
Gut sichtbar der Milchstrassennebel
Blick Richtung Osten, wo in etwas weniger als drei Stunden die Sonne aufgehen wird

Das Fazit: Toll, aber das nächste mal mache ich es besser. Die Erkenntnis: So etwas ist auch mit der besten Handy-Kamera nicht machbar. Der Gedanke: Irgendwann steige ich dann noch ins Stacking ein…

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