Hoher Kasten – Säntis

Die schlagartige Veränderung des vegetativen Rhythmus der Kinder während der Ferienzeit verunmöglicht praktisch Tagesvorhaben. Also muss man diese auf eigene Faust und alleine realisieren.

Nachdem ich am Monte Tamaro den Eindruck gewonnen habe, dass meine Bergwander-Fitness mindestens ausreichend sei, wollte ich mir den langgehegten Wunsch erfüllen, das Alpstein auf dem Höhenweg quasi zu umrunden. Als Ausgangspunkt wählte ich den Hohen Kasten, Ziel war der Säntis. Das bedeutete ca. 17.5 km Distanz, 2’145 m Aufstieg und über 1’459 m Abstieg (gem. Google Earth). Davon hatte ich schon Respekt, war aber der Ansicht, das müsste in gut 7 Stunden zu schaffen sein (Marschzeit gemäss Swisstopo 8 h 36 min). Bis mehr als der Hälfte schaute es nicht schlecht aus, dann wurde es etwas schwierig. Aber dazu später.

Ich war auch schon später unterwegs in Winterthur…
Blick vom Hohen Kasten Richtung Arlberg und Montafon
Alpstein vom Hohen Kasten aus mit Sämtisersee und Ziel Säntis im Hintergrund.

Kurz nach Aufbruch vom Hohen Kasten hatte es zu regnen begonnen. Aber es machte nicht den Eindruck, mehr als ein letzter Ausläufer des nächtlichen Unwetters zu sein. Allerdings wurde der Weg rasch glitschig und das bekam auch ein Bergwanderer schmerzhaft zu spüren. Nach einem Sturz in noch wenig exponiertem Gelände musste ihm sein Kamerad eine grosse Platzwunde auf der Stirn verarzten. Meine Hilfe war zum Glück nicht gefragt. Ich kam gut voran, die Temperatur war auch auf 1’800 m angenehm.

Erster Stundenhalt. Sämtiser See, Alp Sigel und Hoher Kasten
Zum Ziel ist’s noch weit. Weit im Hintergrund der Säntis.

Die letzten Wolken verzogen sich und bald wurde es heiss. Ich würde meine 2.25 Liter Wasser gut einteilen müssen.

In diesem Gebiet des Alpsteins war ich noch nie unterwegs. Umso grösser die Freude, etwas Bekanntes zu entdecken. Blick auf die Ebenalp und Wildkirchli.
Fählensee, im Hintergrund leuchtet der Säntis
Vor der Saxerlücke, im Hintergrund der Mutschensattel
Blick zurück vom Mutschensattel. Schon weit hinten der Hohe Kasten
Blick auf die andere Seite ins Toggenburg (Gamplüt/ Wildhaus)
Schafe am Mutschen. Aber auch an deutlich exponierteren Lagen.

Bis anhin war ich gut im Zeitplan geblieben. Die wahre Herausforderung aber begann erst jetzt. Abstieg zum Zwinglipass und dann über ein Geröllfeld auf den Übergang zum Rotsteinpass.

Nach dem Zwinglipass. Steinböcke beim Fleckli vor dem Altmann.
Altmann Sattel (2’334 m), der steile Abstieg zum Rotsteinpass steht bevor

Dieser Abstieg hatte es in sich. Er ist mehrheitlich mit (rostfreien) Stahlseilen gesichert, verlangt aber sorgfältige Trittwahl und hat teilweise ein Gefälle von mehr als 100%. Hier begann ich die hohen Stufen abwärts in den Oberschenkeln zu spüren…

Der ruppige Pfad, hervorragend gesichert
Vor dem Rotsteinpass. Blick auf Meglisalp und Seealpsee. Im Hintergrund der Hohe Kasten
Berggasthaus Rotsteinpass mit Säntis.

Bald habe ich’s geschafft. Der Weg über den Lisengrat zum Säntis machte keinen allzu schwierigen Eindruck. Aber dass der Weg über den Chalbersäntis führt (Bild oben die zweitäusserste Spitze links), war dann doch etwas heftig. Das Wasser hatte ich gut eingeteilt. Aber es war insgesamt zu wenig. Mit derartigen Temperaturen muss man normalerweise auf 2’000 m Höhe nicht rechnen. Der Wassermangel hat dann aber eben dazu geführt, dass sich kleine Krämpfe in den Oberschenkeln ankündigten, die nur über sofortige Rast und Entspannung am Ausbruch gehindert werden konnten, sonst hätte mich dann die Rega noch kurz vor dem Ziel retten müssen… Die einzige Motivation zu diesem Zeitpunkt war noch das kühle Bier im Berggasthaus Alter Säntis. Nach 7 h 35 min war ich am Ziel.

Endlich! Das passende Bier zur Umgebung (und erst noch alkoholfrei)
Alpstein vom Säntis aus. Weit hinten der Ausgangspunkt Hoher Kasten.
Seealpsee, Mesmer und Ageteplatte, die wir mit den Kindern vor 6 Jahren (!) überquert haben.
Höchnideri, Schäfler, Seealpsee, Mesmer und Ageteplatte
Aufstieg vom Rotsteinpass zum Säntis. Altmann, Girespitz, Moor und Wildhuser Schofberg
Blick ins Toggenburg mit Churfirsten

Fazit: Es war anstrengend, aber hat sich gelohnt. Es war ein guter Entscheid, die Kamera im Rucksack zu lassen, um die Hände frei zu haben (entweder für Stöcke oder Seile). Damit hat aber jedes Bild zu einem übermässigen Zeitverlust geführt. Was ich auch nicht mehr machen werde: Ein zweites Objektiv mitschleppen. Der Rucksack wurde einfach zu schwer und das zusätzliche Gewicht wäre in Wasser besser angelegt gewesen. Für eine Fototour hätte man zwei Tage investieren müssen.

Distanz 17.5 km, 2’145 m Aufstieg und 1’459 Abstieg brachten mich an die Grenzen. Aber der Effort hat sich gelohnt.

P.S. Die Fetzen der grössten Flagge der Welt (Schweizerfahne 80 x 80 m zum 1. August) am Säntis waren bereits entfernt…

So sah die Fahne nach der Montage und vor dem grossen Sturm aus

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