Sardinien 2017

Eigentlich war das Thema Sardinien nach 10 Mal abgehakt. Aber dann lockte es uns doch wieder. Und wir wurden nicht enttäuscht.

Der Kompromiss war allerdings, dass wir nicht mehr mit dem Auto und der Fähre hinfahren, sondern nach Cagliari fliegen. Das spart hin und zurück rund 3 Tage. So früh wie am Abreisetag sind wir als Familie allerdings noch nie aufgestanden. Auch das Taxi war pünktlich vor Ort, um uns auf den Zug um 03:56 Richtung Flughaben zu bringen. Ja, damit fällt eben die Fahrt nach Genua und die Fähre weg, für mich immer so eine spezielle Einstimmung für die Ferien, für den Rest der Familie von eher ein Ding grosser Langeweile oder gar Qual. Aber rein rechnerisch natürlich ein grosser Zeitverlust und ein erhebliches Risiko mit der langen Autofahrt.

Früher geht nicht.

Es hatte noch erstaunlich viel Leute unterwegs. In Winterthur mussten wir umsteigen. Beim Check-In standen wir wie die Deppen vor den Automaten und Madeleine wurde schon nervös, obwohl wir noch massig Zeit hatten. Aber dann klappte alles bestens und auch die Sicherheitskontrolle mehr oder weniger unbehelligt, auch wenn ich meinen ganzen Fotorucksack auspacken musste und auch – auf expliziten Order – meine Papiertaschentücher aus dem Sack nehmen musste.

Der Edelweiss-Flug wurde mit einem A320 der Swiss und Swiss-Besatzung durchgeführt, die Röhre war bis auf den letzten Platz gefüllt. Nachteilig wirkte sich das insofern aus, als dass wir beim Service so ziemlich am Schluss dran waren, als sich vor dem hinteren WC bereits die Schlange zu bilden begann. Das Sandwich war pflöderig und eiskalt, aber immerhin. Während die Frauen die Plätze D-F belegten, sass ich auf Platz C neben einem schon ziemlich gebrechlichen Mann, bei dem ich zwischendurch nicht ganz sicher war, ob er nicht bereits gestorben sei. Aber in Cagliari quälte auch er sich wieder aus seinem Sitz.
Wir hatten als Mietauto auch aus nostalgischen Gründen einen VW Touran bestellt, aber selbstverständlich war kein Touran verfügbar, sondern ein Fiat Tipo Kombi, ein ehrlich gesagt durchaus gutes Auto. Das fehlende Navi wurde durch Google Maps ersetzt (im Flughafen WLAN noch die Karte runtergeladen) und so fuhren wir bald Richtung Carrefour zum Grosseinkauf. Aber so einfach war es dann doch nicht. Mit unseren Monsterkoffern hatten wir den verfügbaren Laderaum schon fast vollständig ausgefüllt (der Touran hätte mehr Platz gehabt) und so mussten wir fast alle Lebensmittel in noch bestehende Ritzen und Hohlräume quetschen. Ist aber alles gut gegangen.

Unser Auto: Ein Fiat Tipo Station mit Dieselmotor und Handschaltung. Gutes Fahrzeug, hat absolut gepasst.

In Costa Rei empfängt man uns alte Hasen nicht mehr persönlich, sondern da wird nur noch der Schlüssel hinterlegt, wir kommen ja schon zurecht. Bis Mia dann im Badezimmer aufschrie: Irgend woher floss einfach Wasser in den Raum. Eine Schlauchzuführung war einfach geplatzt und das Wasser spritzte mit vollem Druck ins Waschbeckenmöbel und von da auf den Boden und von da in den Korridor und von da in die anderen Zimmer. Mit Badetüchern errichteten wir notdürftig Sperren und die Verwalterin Stefania konnte mir am Telefon den Ort des Haupthahns sagen. Damit konnte mindestens die Vergrösserung der Überschwemmung gestoppt werden. Der Pikettdienst reparierte und trocknete das Schlammassel und als «Entschädigung» bekamen wir noch einen Haufen Badetücher zusätzlich.
Natürlich sind wir auch an den Strand gegangen. Der hat ziemlich ramponiert ausgesehen. Statt sanft abfallend hat das Meer richtig hohe Stufen «hineingefressen». Drüben bei Bobo ist’s besser (aber das war ja schon immer so). Dafür haben wir einen Privatzugang zum Strand. Einfach topp.

Unser direkter Zugang aus dem Garten zum Strand.

Nach der kurzen Nacht und dem langen, ereignisreichen Tag ist die ganze Familie ziemlich müde und es störte nicht, dass die Nacht hier eben früh und schlagartig einbricht.

Nach 10 Mal Sardinien haben sich gewisse Stereotypen mehr oder weniger tief in die jeweiligen Seelen eingegraben. Eine davon ist sicher das spezielle Erwachen nach einer Nacht mit Meeresrauschen. Unglaublich wie sich der Horizont über dem Meer verfärbt, bis dann sie Sonne aufgeht und das Ganze in gleissendes Licht taucht.

Kurz vor Sonnenaufgang.
Von unserer Terrasse aus.
Panorama vom Strand aus. Das Zusammenfügen ist insbesondere im bewegten Meer nicht einfach.
Noch schlafen die meisten…
Es ist schon speziell, so zu erwachen
Etwas später vom Sofa aus: Was für eine Aussicht mit dem direkten Meeresblick!
Unser Zugang zum Strand.
Wind und Wellen, aber warm.

Eigentlich war die Wetterprognose für die erste Woche nicht wirklich gut, aber ausser einem kurzen Vormittagsgewitter ist es immer sonnig geblieben. Badewetter eben. Die Kinder waren kaum mehr aus dem Teich zu bringen.
Und Lesewetter. Die Kinder schauen zwar wie zuhause in ihr Viereck, nur dass man sie hier nicht scrollen kann sondern umblättern muss. Wenn das so weiter geht, werden uns die Bücher (ca. 20 mitgenommen) schnell ausgehen.

Leseparadies

Wie fast überall hat das Haus eine Aussendusche, die man wirklich blutt nützen kann, weil sie allerhöchstens aus der nicht belegten benachbarten Hotelanlage eingesehen werden könnte. Und sie hat als besonderen Luxus einen Warmwasseranschluss. Für Warmduscher ein grosser Luxus…

Grosse Terrasse, separate Lounge (nicht ganz wasserdicht) und Aussendusche (mit Warmwasser). Ich habe nie drinnen geduscht.
Der Garten war gross genug…

Mit Madeleine machte ich mich auf zum Strandspaziergang, um die Karte des Escargot für heute Abend «einzusehen». Leider ist das Escargot aber kein Restaurant mehr. Nachdem man bereits vor zwei Jahren den Pizzaofen entfernt hatte und das Angebot deutlich schlechter war als zu früheren Zeiten, ist jetzt alles ausgeräumt und der Lounge-Platz ist jetzt mit Kunstrasen belegt. Der Parkplatz ist für «Solarium-Benutzer» reserviert. Solarium? Wer braucht in Costa Rei schon ein Solarium? Im Winter ist eh niemand da und im Sommer hat’s weissgott genug Sonne. Es ist jetzt ein Schicki-Micki-Restaurant.

Bobo bleibt Bobo, auch wenn er selbst nicht mehr hier ist.
Abendstimmung am Strand.

Wie wenn das nicht genug gewesen wäre, hat sich Madeleine auch noch den grossen Zeh des linken Fusses an einem Stein angeschlagen, dass sie fast nicht mehr gehen konnte.
Zum Znacht sind wir dann ins Su Nuraxi, das wir in guter Erinnerung hatten. Die Fischesser waren nicht so zufrieden, die Pizzaesser aber schon. Etwas zuviel war das mastige Tirami-su. Wenn sich das nur nicht rächt…

Stimmungsvoll im Su Nuraxi.

Wie befürchtet war das Tirami-su (für mich) zuviel. So was ertrage ich auf die Nacht hin nicht mehr. Also werde ich es in Zukunft sein lassen. Die Wachzeit nützte ich aber für einen Versuch, den Sternenhimmel abzulichten. Nicht so einfach, weil bald Vollmond ist und so relativ viel Kontrast verloren geht. Es hat trotzdem ganz leidlich funktioniert. Aber was noch viel toller war, ist die Erkenntnis, dass mein Sensor nicht kaputt ist, sondern nur eine Reinigung brauchte. Die habe ich selbst gemacht, als ich die Kamera von Nikon zurückerhalten habe. Das ist toll, dann habe ich neben meiner neuen D850 eine Topp-Zweitkamera.

Mit der Sensorreinigung sind auch die roten Streifen verschwunden. War günstiger als ein Sensortausch.

Mindestens einmal sollte Mia ein Schwimmtraining absolvieren, damit sie im Trainingslager in Mallorca nicht in ein Loch fällt. Zuerst waren wir aber einkaufen im swimmerland.it mitten in Cagliari. Erstaunlicherweise haben wir den Laden mit dem Google Maps-Navi gefunden. Im Internet hat man den Eindruck, das sei ein Riesenetablissement und in Wirklichkeit ist’s dann ganz klein. Klein, aber oho. Einladend eingerichtet und sie haben wirklich alles, einfach Schublade auf und da sind alle Artikel in verschiedensten Grössen verfügbar. Weil ich am Vorabend noch den Newsletter abonniert habe, fragte ich nach den versprochenen 5% Rabatt. Gilt leider nur online, aber wir bekamen ihn dann trotzdem.

swimmerland.it, ein munziger Laden, der aber alles hat.

Danach sind wir ins Schwimmbad von Rari Nantes gefahren, wo Mia und ich nach umständlichen Formalitäten und Abgabe der ärztlichen Unbedenklichkeitserklärung wirklich auch Zutritt erhielten. Draussen im «kastrierten» 50m-Becken war das Wasser aber nach Aussage Mia «arschkalt», so dass wir uns in den Ballon verlegten. Das 25m-Becken hat nur vier Bahnen und das Wasser war ziemlich trüb, was dem Trainingsenthusiasmus nicht sehr förderlich war. Immerhin ist Mia allen Anwesenden (O.K., es waren sicher nicht die jüngsten und stärksten Cracks) um die Ohren geschwommen ist, ob sie jetzt nur Arm- oder Beinzug übte oder was auch immer.

Leider wurde das 50m-Becken verkürzt für einen überdeckten Sektor, der aber offenbar nicht mehr genutzt wird.

Madeleine und Lily gingen derweil im Carrefour einkaufen und waren erstaunlich schnell wieder zurück. So machten wir uns bald wieder auf die Heimfahrt und konnten noch einige Zeit am Strand verbringen, was aber auf Grund des starken Windes nicht so entspannt war.

Am zweiten Sonntag ist die Familie Zehnder angekommen, jetzt (weil wir das Haus gewechselt haben) in direkter Nachbarschaft. Aber auch sonst gab es Besuch aus der Region: Höhepunkt aus Sicht Mia war der Besuch von Seraina mit Regula und Adrian Rohrbach, die in knapp anderthalb Stunden aus Pula angereist waren.
Mit Zehnders waren wir dann auch im «Isola Verde» und da – endlich – stimmte es auch für Madeleine. Der Verusch den Sternenhimmel mit Stacking-Technologie aufzunehmen, ist nicht wirklich gut gelungen. Ein nachbearbeitetes Einzelbild der Milchstrasse war deutlich besser. Da muss ich noch nachlegen. Was sich hingegen bestätigte war, dass mein Sensor nicht kaputt ist und mit der selbstgemachten Reinigung die lila Streifen verschwunden sind, womit ich eine super Zweitkamera haben werde, denn heute kam auch die SMS, dass meine D850 abholbereit sei.

Ein Einzelbild. Das erstmalige Stacking ging etwas in die Hose bzw. hat nicht die erwarteten Resultate geliefert.

Schon bald wieder sind die Ferien um, es ist unglaublich, wie schnell das gegangen ist. Das Haus war super, die Betten (wie immer) zu kurz und das Moskitonetz erhöhte den Schlafkomfort auch nicht gerade. Dafür hatten wir im Gegensatz zu anderen Jahren fast keine Mücken, einzelne Stiche gab es da und dort.
Am Abend stand der Fototermin zum traditionellen Familienfoto am Strand auf dem Programm. Seriös kann man ja mit dieser Familie nicht arbeiten. Aber das hat dann dazu geführt, dass wir nun ein Bild haben (Intervallaufnahme auf Stativ), auf dem alle in der Luft sind. Cool.

Alle in der Luft.

Am Abreisetag machte ich, was ich früher jeden Tag machte und nächstes Mal (?) sicher wieder machen werde: Schwimmen im Meer zum Sonnenaufgang. Einfach herrlich, bei Windstille schon fast meditativ. Danach brachte ich noch die Abfälle ins Centro und stellte mit Erstaunen fest, dass selbst im Oktober noch Markt ist, was uns noch zu einem Bummel durch die Stände veranlasste und Madeleine zu einem Yoga-Tuch verhalf.

Wider Erwarten war auch noch Markt. Das haben wir aber leider oder glücklicherweise erst am Abreisetag festgestellt.

Dann waren wir zu einem opulenten Brunch bei Zehnders eingeladen und konnten so unser Haus frühzeitig besenrein herrichten. Kurz nach Mittag fuhren wir dann Richtung Cagliari, es war irgendwie wie ein temporärer Abschied im Gewissen, dass wir ohnehin wieder kommen würden, obwohl das alles andere als klar ist. Weil die SS125 im Süden gesperrt war, mussten wir noch einige Umwege in Kauf nehmen, da wir aber frühzeitig unterwegs waren, war das kein Problem. Ein Problem war aber unser «Heavy»-Koffer, der nicht wie auf dem Hinflug nur 29 Kg wog, sondern 35 Kg und damit zu schwer war. Am Check-In packten wir noch um und kamen somit unter die magische Grenze von 32 Kg.

Der Edelweiss/ Swiss-Flug hatte Verspätung, weil die Ladeliste nicht zur Verfügung stand (dafür war das Quöllfrisch gratis…), aber schliesslich hoben wir mit dem proppenvollen Star-Alliance-A320 Richtung Zürich ab, wo wir nach einem direkten Ostanflug landeten. 4 Minuten vor den Einfahrt der direkten S24 nach Schaffhausen waren wir auf dem Perron und schliesslich um knapp acht Uhr zuhause – sonst jeweils die Zeit, um auf die Fähre zu fahren.
Die Kinder bekamen noch Pizzen von Pizza-Flizza und Mia musste bereits mit Packen anfangen, weil es morgen gleich wieder weiter geht nach Mallorca.

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