Reinhold Messner – Grenzgänger

Ich hatte das Vergnügen, Reinhold Messner anlässlich eines «Motivationsvortrages für Führungskräfte» erleben zu können. Lässt man alles Business-Gefasel mal weg, dann lernt man in anderthalb Stunden eine faszinierende Persönlichkeit kennen, die viel erreicht hat und, auch mit 73 Jahren, noch mit beiden Füssen fest auf der Erde steht.

Reinhold Messner ist mir seit über 40 Jahren ein Begriff. Ich hatte im Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Gymnasium Rämibühl ab 1975 mit Thomas Müller einen Mitschüler, der Klettern als Sport betrieb. Wir Handballer waren eher skeptisch, ob das denn wirklich Sport sei, aber nachdem uns Thomas Klimmzüge mit 4 Fingern am kaum einen Zentimeter vorstehenden Türrahmen vorführte (nicht nur einen, unzählige), waren wir alle zutiefst beeindruckt und nahmen fortan Klettern als das wahr, was es ist: Ein Hochleistungssport, der so ziemlich alles vereint, was einem Couch-Potato abgeht: Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Ausdauer, Durchhaltevermögen, Konzentrationsfähigkeit und einen Willen, an Grenzen zu gehen.

Thomi Müller auf dem Weg nach oben, September 1977
Andere Perspektive
Gut gelaunt und entspannt. Es gab dann zwar einen Verweis, aber was soll’s…
Alle wollten es sehen. Es sprach sich ziemlich schnell herum.
Zur selben Zeit war Reinhold Messner in deutlich unwirtlicheren Gegenden unterwegs, wobei das Jahr 1977 nicht gerade als eines der erfolgreichen gilt: Er scheiterte sowohl am Nanga Parbat wie auch am Dhaulagiri.

Berge versetzen war schliesslich auch das Thema von Reinhold Messner an diesem Abend. Das geht natürlich nicht wirklich, aber wenn man seine eigenen Grenzen immer weiter hinausschiebt, dann ist das Resultat in etwa dasselbe. Das Buch dazu heisst, wen wundert’s, «Berge versetzen».

Berge versetzen. Ein spannender über einstündiger Vortrag eines erstaunlichen Grenzgängers.

Da stand also dieser ältere Mann auf der Bühne des AURA-Club und erzählte eigentlich sein Leben – frei, ohne Hänger, flüssig, witzig (nachdem er sich die Ferse an der Hauswand zuhause zertrümmert hatte, musste er vom vertikalen in’s horizontale Geschäft wechseln – nicht falsch zu verstehen!). Und das über eine Stunde lang. Man hätte noch ewig weiter zuhören können.

Ganz am Schluss gab’s auch noch etwas Werbung in eigener Sache, aber die war erstens dezent und zweitens für ein sympathisches «Produkt», so dass ich sie hier erwähne: Messner Mountain Museum.


Thomas Müller hat irgendwie den Rank im normalen Leben nicht gefunden und sich in den 
frühen Neunziger Jahren das Leben genommen.

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