Ich bin dann mal weg…

Das kann sowohl im eigentlichen wie auch übertragenen Sinne verstanden werden.

Um die Folgen des Mehrfachbruch des linken Wadenbeins vom 2. Februar 2015 zu lindern, wurde mir eine Platte eingesetzt, welche die Splitter zusammenhalten und die den Knochen insgesamt an der richtigen Stelle halten sollte.

 Seit dem 9. Februar 2015 trug ich diesen Fremdkörper in mir und er begann mehr und mehr zu stören.
Seit dem 9. Februar 2015 trug ich diesen Fremdkörper in mir und er begann mehr und mehr zu stören.

Das Wadenbein (Fibula) hat keinen funktionellen Einfluss auf das Kniegelenk, bildet aber mit seinem unteren Ende einen Anteil des oberen Sprunggelenkes. Es leitet von dort die auf das Bein einwirkenden Kräfte über das obere Schienbein-Wadenbein-Gelenk (Articulatio tibiofibularis proximalis) und die Bandhaft zwischen den beiden Knochen (Membrana interossea cruris) zum Schienbein und damit zum Oberschenkelknochen (Femur). Quelle: Wikipedia
«Fibula» (lat.) steht eigentlich für Spange im Zusammenhang mit Kleidern oder Schmuck und ist damit ein Indikator, wie dünn dieser Röhrenknochen ist, auch etwas despektierlich als «Hühnerknochen» bezeichnet.

In der Vorbesprechung mit dem Orthopäden Christoph Brumm  hatte ich die Wahl zwischen ambulant und stationär, mit Lokalanästhesie oder Vollnarkose, vegi, vegan, Laktose intolerant, koscher oder was auch immer… Im Sinne niederer Gesundheitskosten wählte ich ambulant, im eigenen Interesse Vollnarkose (bei Lokalanästhesie bekommt man doch einiges mit, das ist nicht so mein Ding), der Rest der Optionen war damit auch bereits gegessen.

So fand ich mich denn um 0730 Uhr in der Tagesklinik des Kantonsspitals Schaffhausen ein und wurde  sehr zuvorkommend behandelt (ich war der einzige Patient…). Ich war ganz ruhig (Blutdruck 122/ 78, Ruhepuls Marathonmässige 47). Frau Eckert war auch die letzte Person, die Schweizerdeutsch mit mir sprach. Danach hätte ich auch in einem Deutschen Spital sein können, mit der Besonderheit allerdings, dass man über hiesiges Bier sehr gut Bescheid wusste. Unser-Bier wurde lobend erwähnt, Quöllfrisch kam auf’s Treppchen, Falken gehörte nicht wirklich zu den Favoriten. Dann bekam ich bald nichts mehr mit.

2016 03 16 Platte raus 7
Der letzte Eindruck, bevor ich weg getreten bin: Der leitende Arzt Anästhesie, die skurril geformte Ops-Lampe (es hatte mehrere) und von rechts drückte mir jemand die Sauerstoffmaske ins Gesicht.

Im nächsten Moment erwachte ich wieder in der Tagesklink, seit der Narkose waren nur rund anderthalb Stunden vergangen. Neben mir der Plastikbeutel mit den entfernten Metallteilen. Ich zählte 7 Schrauben und war erleichtert, dass alle draussen waren. Christoph hatte mich vorgängig  auf das Risiko aufmerksam gemacht, dass möglicherweise die Stiftschrauben nicht mehr alle herausgedreht werden könnten.

Heute war es endlich so weit: Die Platte im linken Bein kam raus. Seit zwei Monaten begann sie immer mehr zu stören. Erfreulich: Alle Schrauben konnten ebenfalls entfernt werden. Enttäuschend: Das Ding mag aus orthopädischer Sicht ja gross sein, aber wenn man's so sieht, ist es nicht gerade eindrücklich.
Erfreulich: Alle Schrauben konnten entfernt werden. Enttäuschend: Das Ding mag aus orthopädischer Sicht ja gross sein, aber wenn man’s so sieht, ist es nicht gerade eindrücklich.

Ich bin bis am 23.03.2016 zu 100% arbeitsunfähig geschrieben (na ja, ich sehe das nicht ganz so eng), wollte aber Madeleine nicht kurz vor Mittag noch mit Taxi-Dienst belasten, ass nach einem bisher nahrungsfreien Tag noch ein Sandwich und nahm dann den Bus nach hause.

Nicht ohne eine Tonne Medikamente aus der Spitalapotheke. Pantoprazol bzw. das Generikum Zuracal lehnte ich ab, das hatte ich bisher noch nie wirklich gebraucht. Dafür bekam ich Spritzen, die ich mir die nächsten Tage jeweils gegen 1700 Uhr selbst injizieren soll.  Der Atropin-Spritzen-Drill aus vergangenen Militärtagen war da sicher hilfreich: Ich traf den Oberschenkel beim ersten mal!

Heute war es endlich so weit: Die Platte im linken Bein kam raus. Diese Spritzen soll ich mir die nächsten 5 bsi 7 Tage selbst verabreichen. Interessant...
Diese Spritzen soll ich mir die nächsten 5 bis 7 Tage selbst verabreichen bzw. bis ich die Stöcke nicht mehr brauche. Schätze das wird morgen sein…

So, jetzt muss ich nur noch die richtige Balance zwischen Schonung und Arbeit finden und vor allem: Madeleine nicht auf die Nerven gehen…

One thought on “Ich bin dann mal weg…

  1. Spannend ! Zu lesen wie ein guter Krimi…
    Vielen Dank, lieber Michael, dass wir das (beinahe) gute Ende miterleben dürfen.
    Sei nicht übermütig, lieber Michael und befolge (wenigstens zum Teil) den Rat des Arztes. Höre auf Madeleine !! Sie soll bis zum 23. Dein Leitstern sein…
    Mir geht es heute fast so gut wie dem Wetter – am 22. habe ich den nächsten Spitaltag mit CT, Mistel-und Chemotherapie – dann sehen wir wieder weiter…
    Mit einer lieben Umarmung Yvette (Der schöne Corsica-Prospekt wartet auf Monique – sie kommt am 22.4. wieder – ich freue mich) Besten Dank !!

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