Island im Camper

Wir sind ja nicht wirklich die Campingfreunde, mit Zelt und so. Mit einem Wohnmobil könnte es allenfalls klappen. Aber zwei Wochen ohne «Notausgang»? Ein Wagnis mit beschränktem Risiko, welches sich notabene voll ausbezahlt hat. Wir würden das sofort wieder machen.

20.07.2016 Flug Zürich – Reykjavik

Zum Glück hatten wir das Gepäck am Vorabend eingecheckt, so war eine entspannte Reise an den Flughafen möglich. Die Kinder hatten am Bahnhof Schaffhausen schon wieder Hunger, aber das war ja nichts Aussergewöhnliches. Aussergewöhnlich war eher die Vorstellung, in ein paar Stunden aus der grossen Hitze in eher feucht-kühleren Gefilden zu landen.
Unser Flug hatte wegen late arrival etwas Verspätung.

Sicht auf Zürich
Sicht auf Zürich

Schöner Flug übers Mittelland bis Olten und dann Richtung Ärmelkanal. Ab dem Jura war die Sicht allerdings eher schlecht. London war nur im Dunst zu erkennen und dann ging’s doch eine ganze Weile über’s Meer.

Satte Farben
Im Anflug auf Keflavik

Nach der Landung in Keflavik konnten wir lange nicht aussteigen, due to «lack of staff»…
Schliesslich schafften wir es dann doch in unser Hotel, wo die gebuchte Familien-Suite aber leider schon vergeben war. Wir bekamen dafür 2 Zimmer und 100 € Rabatt, die wir dann gleich für’s Nachtessen in Reykjavik verprassten. Um 21 Uhr machten sich dann die 2 Stunden Zeitverschiebung doch bemerkbar und wir sanken alle in einen gesunden, tiefen Schlaf.

21.07.2016 Fahrzeugübernahme mit Hindernissen – Garðabær nach Kleppjárnsreykir

Wir sollten vom Hotel abgeholt werden und als ein Bus vorfuhr, der einen Michael «with party of 4» suchte, stiegen wir zu. Leider war es nicht unser Bus, sondern ein Zubringer für eine Day-Excursion. Der Fahrer brachte uns aber dann in Stadtbüro von Europcar, über das Schicksal des anderen Michaels ist uns nichts bekannt.
Es stand ein weiterer Transfer zur Vermietstation der Camper an.
Man hatte relativ wenig Ahnung: Madeleine war nicht als zweite Fahrerin gemeldet und der Ausschluss des Selbstbehaltes war auch nicht vermerkt. Administrativ klappte das dann schliesslich, dafür waren wir mit dem Wohnmobil nicht wirklich zufrieden: Der Vormieter hatte den Wassertank überfüllt und jetzt schwappte immer Wasser auf den Boden. Hinten Kajüten- statt Doppelbett. Nicht wirklich kuschelig. Aber alles hartnäckige Reklamieren nützte nichts, sie waren sold out. Also ging’s zum Grosseinkauf zu Bonus für das Nötigste (u.a. 64 Liter Wasser), nur um festzustellen, dass der Kühlschrank nicht tat. Zurück zu Europcar, eine weitere Stunde verloren.
Wir werden den Kühlschrank jetzt halt manuell von Gas auf Batterie oder 220V umstellen müssen. Das müsste zu schaffen sein. Dafür gab’s als Entschädigung noch ein Gratis-Navi (hätte 100 € gekostet), was sich im Nachhinein als sehr wertvoll herausstellte. Die Navigation mit den Offline-Karten in Google Maps funktioniert allerdings auch erstaunlich gut.
Unsere erste Station war der Gleymur Wasserfall, mit 192 m der zweithöchste in Island. Was als Spaziergang begann, endete als anspruchsvolle Tour mit Flussüberquerung auf einem Baumstamm und Seil-gesicherten Kraxelpartien am Rande des Abgrundes.
Wir waren alle müde und schliefen trotz Helligkeit gut in unserer ersten Campernacht auf einem eher kleiner Campingplatz, aber sympathisch mit einer Gemeinschaftsdusche mit 4 Brausen, Wasser aber nur für eine.

22.07.2016 Hot Tube. Kleppjárnsreykir nach Hvammstangi

Über Nacht begann es wieder leicht zu regnen und am Morgen war es ziemlich frisch (so um die 10°). Mit der Heizung im Camper war bald ein angenehmes Klima da und wir genossen unser erstes Morgenessen. Dusche und WC benützen wir wenn möglich auf den Zeltplätzen.
Danach ging es Richtung Hraunfossar-Fall, wo das Wasser praktisch aus der Bergflanke quillt. Das nächste Ziel gaben wir dann auf, die Strasse war zu schlecht.

Hraunfossar
Hraunfossar

Am Glanni-Fall konnten wir springende Lachse beobachten und dann wollten wir einen Abstecher in ein Schwimmbad machen. Die Anlage in Hvammstangi ist zwar klein, aber toll mit einer schnellen Rutschbahn. Und eben den hot tubes mit 41°, in denen sich jede Aussentemperatur aushalten lässt. Da es im Dorf auch noch einen Campingplatz gab, beschlossen wir, gleich hier zu bleiben.
Mit springendem Lachs
Glanni mit springendem Lachs

Der Campingplatz war gross und unbedient, hatte aber Strom, WC und Duschen (wenige).

23.07.2016 Robben. Hvammstangi nach Akureyri

Um drei Uhr morgens schienen einige den Sonnenaufgang zu feiern, danach war es wieder still.
Da meine Familie ungewöhnlich lange schlief, veränderte sich auch das Programm. Statt erneutem Baden ging es direkt zum Hafen, wo wir Tickets für Seals Watching erstanden. Die anderthalb Stunden Wartezeit überbrückten wir mit einkaufen, Geld abheben, kochen und warm ankleiden. Nur widerwillig nahm ich Mütze und Handschuhe mit, aber es sollte sich als unabdingbar erweisen. Auf dem Kutter Brimill bekam man die Gischt des eher ruhigen Meeres direkt zu spüren. Es herrschte gerade Flut, deshalb waren die Liegeplätze für die Robben etwas reduziert. Im Fjord leben etwa 60 Tiere, die hier unbehelligt bleiben. Sonst werden sie schon noch gejagt, allerdings nicht mehr zu «Sportzwecken». Wir bekamen einige Prachtexemplare zu Gesicht, darunter eine sehr seltene rote Robbe. Die Viecher machen aber einen eher phlegmatischen Eindruck, wenn sie nicht gerade am jagen sind oder neugierig die Besucher inspizieren kommen. Mit heisser Schokolade und Selbstgebackenem wurden wir für die rauhen Bedingungen «entschädigt» und Lily begann sich wieder besser zu fühlen.

Seltene rote Robbe
Interessiert: Seltene rote Robbe

Danach stand eine längere Fahrt an. Akureyri war das Ziel, über 200 km entfernt. Die Ringstrasse ist zum Glück ja sehr gut ausgebaut und ich fand endlich den Tempomaten in unserem Camper, so war auch diese Fahrt erträglich. Mich wundert einfach, wie 300’000 Einwohner eine solche Infrastruktur finanzieren können. Da muss ein gewaltiges BIP dahinterstecken und vermutlich eine noch höhere Staatsquote oder die EU… Wir endeten auf einem riesigen Zeltplatz mit äusserst grossen und sauberen sanitären Anlagen und – scheinbar wenig Leuten (die verteilen sich halt auf dem grossen Gelände).

24.07.2016 Whale Watching. Akureyri über Húsavík nach Reykjahlíð

Nach einer sehr ruhigen Nacht ein Morgen ohne Regen, fast meinte man, die Sonne würde durchdrücken.
Heute war das erste Mal Toilette leeren angesagt. Irgendwie schaffte ich es, den Tank aus dem Fahrzeug zu ziehen, zu leeren und auszuspülen. Damit wären wir für die Weiterfahrt gerüstet.

Irgendwann war es das erste Mal: Die Toilette musste geleert werden. Nicht gerade etwas, was man gerne macht (aber auch nicht so schlimm...)
Irgendwann war es das erste Mal: Die Toilette musste geleert werden. Nicht gerade etwas, was man gerne macht (aber auch nicht so schlimm…)

Bei der Abfahrt aus Akureyri lag das Monsterkreuzfahrtsschiff MSC Splendid im Hafen. Zuerst aber noch kurz beim Goðafoss vorbeigeschaut. Die Fahrt nach Húsavík war nicht weit und wir machten uns bereit für die dreistündige Whale Watching Tour. Warm anziehen, mit Mützen und Handschuhen. Auf dem Kutter bekamen wir dann noch wohlig-warme Life-Suit-Overalls. Die waren auch nötig und wurden bei einsetzendem Regen noch mit Pelerinen ergänzt. Ja und Wale sahen wir auch: Buckel- und einen Mink-Wal. Leider sprang keiner in der Nähe aus dem Wasser, in der Ferne konnten wir noch das Auftreffen auf die Wasseroberfläche beobachten. Atemfontänen und Fluken bekamen wir einige zu Gesicht und einmal tauchte ein Wal ganz nahe dem Boot auf. Die Kinder waren begeistert. Zum Schluss gab’s noch heisse Schoggi und Zimtgebäck und dann machten wir uns auf den Weg nach Reykjahlíð. Eigentlich wollten wir auf einem anderen Campingplatz übernachten, aber dort waren die Wohnmobile derart idiotisch parkiert, dass wir keinen Stromanschluss mehr benützen konnten. Der Zeltplatz in Reykjahlíð war schön gelegen, aber nicht besonders ausgerüstet. Relativ sauber zwar, aber zu wenig WCs und Duschen.

25.07.2016 Reykjahlíð nach Egilsstadir

Auf erhöhter Lage übernachtet. Ziemlich windig, aber gemütlich im Wohnmobil. Ein Ibis schnatterte die ganze Zeit.

Ibis
Ruhestörer Ibis

Zuerst ging die Fahrt zu den Pseudokratern rund um den Myvatnsee. Das war schön, aber nicht wirklich spektakulär und vor allem total überlaufen. Aufgefallen sind vor allem die amerikanischen Ornithologen mit ihren grossen Teleobjektiven.
Danach ging es weiter zum Lava-Skulpturenpark, was mindestens phantasieanregend war. Aber auch voll von Leu-ten, die ganz schlecht auf den Beinen waren und denen man quasi jeden Schritt erklären musste. Da waren wir auch recht schnell durch und nahmen den Weg zur heutigen Hauptattraktion dem Dettifoss (genannt Denti-Floss) unter die Räder. Auf dem Weg kamen wir durch ein Gebiet mit Heissdämpfen in der Wüste der Verdammten. Für Madeleine eine Tortur, lag der Gestank von faulen Eiern doch schwer in der Luft. An das vulkanische Erbe wird man an jedem Heisswasserhahn erinnert und es ist eben schon gewöhnungsbedürftig, nicht zuletzt auch bei der schwefligen Teufelsdusche.

Schwefeldämpfe
Brodelnder Schlammtopf

Der Dettifoss ist ein gewaltiger Wasserfall, der gefühlsmässig den Rheinfall schlägt, aber nicht besonders ästhetisch ist. Sein kleiner Bruder Salafoss etwas weiter oben hingegen ist ganz schön und die Zuflüsse sind voll von schwarzem Lavasand, ideal um rumzudräckeln, was Lily und Mia auch mit Freude taten. Die drei deutschen Mädchen durften auf elterliches Geheiss nicht…

oberhalb des Dettifoss
Selafoss oberhalb des Dettifoss

Der Nordosten Island bietet nicht mehr soviel Sehenswertes, so entschlossen wir uns, soweit wie möglich durchzufahren und bekamen so auf der gut ausgebauten Ringstrasse einen Eindruck des Hochlandes. Nicht eben anmächelig… Wettermässig hatten wir alles: Sonnenschein (wenig), Regen und viel Nebel. Umso erstaunlicher waren immer wieder die vielen Velofahrer, die sich diese unendlichen Rampen antaten, grösstenteils schwer bepackt. Und während wir nach unserer Ankunft in Elgisstadir sofort «einsatzbereit» waren, mussten die dann im Regen noch das Zelt aufbauen.

26.07.2016 Egilsstadir nach Djúpivogur

Um drei Uhr morgens musste ich das Gas andrehen, weil der Kühlschrank auf Strom wieder einmal nicht mehr funktioniert. Es hat schon viel «Gebastel» in und an diesem Camper, das ist ärgerlich.
Der Campingplatz in Egilsstadir hat den Charme eines Hochregallagers, aber – und das ist uns eigentlich wichtiger – ist topp sauber.

Wollgras
Wollgras: Ständiger Begleiter entlang der Strassen

Heute stand eine Verschiebeetappe auf dem Programm. Der Nordosten Islands bietet nicht soviel auf «normalen»  Strassen. Normal sind aber auch Schotterpistenabschnitte der Ringstrasse. Die sind mühsam zu fahren, besonders bei starkem Wind, wie er heute herrschte. Die Strassenlage des FIAT Ducato ist sowieso eher schwammig und die Fahrt über einen solchen Abschnitt gerät zum veritablen Eiertanz. In Eskifjörður besuchten wir das Freibad und genossen Hot Tube (42°), Wasserrutschen und Sportbecken. In Island ist man gesetzlich verpflichtet, sich vor dem Beckenbereich nackt einzuseifen. Darum vermutlich auch der geringe Chloranteil im Wasser.
Auch der Fahrt nach Djúpivogur querten wir den mit 6 Km wohl längsten Strassentunnel Islands in the middle of nowhere. Die Frage, die sich mir immer wieder stellt: Wer bezahlt das? Unglaublich. Wie ich wohl auch den Sinn der hunderte Kilometer Zäune nie begreifen werde. Zum Schutz der Schafe sind die nicht, denn diese bewegen sich hüben wie drüben und manchmal muss man auch wegen den Viechern abbremsen.
Der Campingplatz in Djúpivogur ist schön gelegen, aber auf einer Landzunge ziemlich Wind-exponiert. Das sind wir einmal mehr froh um die eher festen Wände um uns herum und auch andere wissen das zu schätzen und bauen ihr Zelt in unserem Windschatten auf. Die sanitären Anlagen sind sauber, aber nicht ausreichend. Vor allem gibt es nur einen Platz zum Geschirrspülen. Dafür kostet die Dusche extra. Kümmert uns nicht, wir werden morgen unterwegs sicher wieder in einem Sundlaug enden.

27.07.2016 Europas grösster Gletscher. Djúpivogur nach Skaftafell-Nationalpark

Die Ringstrasse folgt jetzt der Küstenlinie, das heisst im Land der Wasserfälle, Zäune, Schafe und Stromleitungen, dass man das Ziel manchmal schon vor Augen, aber noch 40 km zu fahren hat. In Höfn sind wir einmal mehr in einen Sundlaug eingetaucht, mit Hot Tube (42°) und Eis-Kübel (2.5°). Mia hatte noch einen Zusammenstoss mit einer Basler Grossmutter, die das erste Mal auf einer Wasserrutsche war, nicht vorwärts kam und vor Ende stecken blieb. Es ging noch einigermassen glimpflich aus, eine Beule und ein bisschen Kopfweh waren die Folge. Trotzdem konnte Mia mir noch einige Tipps für Crawl geben und attestierte mir einen schönen Stil (stolz!).

Kiesstrand
Kiesstrand

Weiter ging die Fahrt Richtung Süden über eine faszinierende Kiesbank aus völlig gleichmässigen ovalen Kieselsteinen in verschiedenen Grössen assortiert. Die feinste Variante war fast Treibsand-mässig flüssig. Das Highlight des heutigen Tages war aber der Gletscherabbruch in Jökulsárlón. Riesige Eisberge treiben von der Gletscherzunge des grössten Gletschers Europas Richtung Meer. Wegen unterschiedlicher Fliessgeschwindigkeiten kommt es immer wieder zu Kollisionen, bei denen ganze Eisberge gekehrt werden. Dann schimmert das «frische» Eis jeweils in einem Blau, das auch ohne Photoshop schon fast kitschig wirkt.

Jökulsárlón Gletscher
Jökulsárlón Gletscher

Nach diesem eindrücklichen Schauspiel fuhren wir zu unserem Übernachtungsziel, dem Camping-platz des Nationalparks. Ein grosses Gelände, saumässig teuer und nur sehr beschränkt heisses Wasser verfügbar, was für den Abwasch einfach mühsam ist. Insbesondere, da es mehr abzuwaschen gab als üblich, da bei einer Kollision beim Service zum Nachtessen auch Madeleines Wanderschuhe mit Reis, Kichererbsen und Tomaten gefüllt wurden…  Nachtessen konnten wir draussen, mit 18° war es schon fast unerträglich heiss, danach noch Ballsport à la Lily mit einer in einen Plastiksack geknüllten Wolldecke als Ball. Lily hat grosse Fortschritte gemacht und hat einen wuchtigen, präzisen (Sprung-)Wurf. Mit dem Verschwinden der Sonne hinter dem Hügel kühlte es dann aber schnell ab. Um 01:20 begann es zu leicht zu regnen (völlig unerwartet…), draussen war es aber trotz fehlendem Mond nicht ganz dunkel, die Konturen der Landschaft waren gut zu erkennen und auch die Nummernschilder der Nachbarsfahrzeuge.

28.07.2016 Skaftafell nach Vík í Mýrdal

Bei leichtem Regen machten wir uns zusammen mit Tausenden anderer auf via Hundafoss zum Svartifoss. Da der Zufluss nicht gerade viel Wasser führte, hielt sich der Wow-Effekt in Grenzen. Was aber besonders eindrücklich war, war die Einbettung in ein besonders ausgeprägtes Basaltsäulen-Becken. Das Wetter wusste ein-mal mehr nicht, was es wollte, etwas von allem. Nach einem Fish’n’Chips für die Kinder im Besuchszentrum des Nationalparks nahmen wir noch den Weg zur Gletscherzunge unter die Füsse. Lily begannen wieder die Beine zu schmerzen, vermutlich hat sie immer wieder Wachstumsschübe. Nach dem obligaten Familienfoto ging’s zur Dusche in den Sundlaug von Kirkjubæjarklaustur. Der Eintritt für die ganze Familie war günstiger als viermal Duschen auf dem Zeltplatz… Hot Tube war angesagt, diesmal hatte es allerdings keinen Eiswasserbottich und die Rutschbahn war mini. Aber die Kinder hatten Spass und auch Madeleine tat das heisse Bad mit ihrer Erkältung gut. Dann ging es weiter an den südlichsten Punkt Islands, nach Vik. Das ist auch der Ort mit den meisten Regenfällen…
Auf der Fahrt dahin querten wir unendlich weites Lava-Schwemmland. Manchmal hatte man das Gefühl, Island bereits verlassen zu haben: Keine Schafe, Zäune, Stromleitungen und auch kein Wasserfall in Sicht. Die Ringstrasse ist aber grundsätzlich sehr gut ausgebaut, normalerweise heisst es abfahren, Tempomat rein und bremsen nur noch für Schafe, bei einspurigen Brücken oder beim Überholen der Velofahrer, die sich grösstenteils mit vollbepackten Drahteseln durch den Wind kämpfen. Dieser war teilweise wieder so stark, dass einem auf gerader Strecke Motorradfahrer in Schräglage entgegengekommen sind.

Am südlichsten Punkt Islands, mit Reynisdrangar-Felsen
Black Beach am südlichsten Punkt Islands, mit Reynisdrangar-Felsen

In der Nacht hat der Kühlschrank wieder mal den Geist aufgegeben und musste mit wiederholtem Zuspruch dazu gebracht werden, sich doch bitte dem zugeführten Strom und nicht dem abgestellten Gas zu bedienen.

29.07.2016 Tölt. Reiten in Island. Vík í Mýrdal nach Hella

Der Campingplatz in Vik ist noch schön gelegen, aber die Facilities sind etwas her-untergekommen. Madeleine findet noch die letzte Steckdose mit Strom (ungesichert), etwa die Hälfte ist defekt. Das warme Wasser ist einfach nicht eiskalt, aber mehr nicht. Zum Glück sind wir durch unsere regelmässigen Sundlaug-Besuche nicht auf die Duschen angewiesen, die häufig separat bezahlt werden müssen.
Jetzt sind wir also in der Gegend mit dem meisten Regen Islands und am Morgen scheint die Sonne – fast kein Wölkchen in Sicht. Ich mache schon mal einen Spaziergang zum schwarzen Strand.
Dann Weiterfahrt zum Skógafoss. Jetzt ist endgültig Schluss mit Schauspiel in einsamer Natur. Millionen anderer Touristen bevölkern den Platz rund um den gewaltigen Wasserfall. Und weil heute die Sonne scheint, sind auch immer Regenbogen zu sehen. Den Aufstieg kann Madeleine nicht mitmachen, die Erkältung macht ihr das Atmen schwer. Auch auf halber Höhe eine sensationelle Sicht.

Skógafoss
Skógafoss

Aber schon wartet die nächste Attraktion auf uns, der Seljalandsfoss. Das ist der, bei dem man hinten durchgehen kann. Ganz ohne Gischtspritzer geht das natürlich auch nicht. Danach gibt’s Zwischenverpflegung für die Kinder am Snackstand.

Seljalandsfoss
Seljalandsfoss

Die Suche nach einer Reitgelegenheit in Hvolsvöllur endet erfolglos, dafür präsnetiert sich der Ejafiadlajöküll in seiner ganzen Pracht. Kaum zu glauben, dass hier der Grund liegt, dass ich meine Logistik-management-Abschlussreise nach Shanghai nicht machen konnte.
In Hella finden wir einen sauberen Zeltplatz, ein tolles Sundlaug und ich eine Reitgelegenheit. Der Ausritt auf einem etwas wilden Islandpferd ist sehr schön, aber ziemlich anstrengend, weil wir häufig im Tölt unterwegs sind. Und das ist doch zumindest auch gewöhnungsbedürftig, hier die richtige Position für Ross und Reiter zu finden.

Töltstunde
Töltstunde

Die Sonne ist uns den ganzen Tag erhalten geblieben (ich habe einen Sonnenbrand auf der Glatze), aber am Abend setzte eine steife Brise ein, die das Nachtessen draussen verhindert und auch die ganze Nacht weiter anhält, so dass für einigermassen angenehme Temperaturen erst einmal geheizt werden musste. Sorgen um den Gasvorrat müssen wir uns nicht machen, es ist immer noch die erste Flasche angeschlossen und es steht noch eine zweite bereit.

30.07.2016 Der Geysir ist tot.  Hella nach Borg

Wiederum scheint die Sonne, aber es weht ein starker, kalter Wind. 8° sind gemessen, gefühlt 5°.
Madeleine und ich haben heute unseren 17. Hochzeitstag (ich würde sie sofort wieder heiraten).
Teilweise bewölkt war angekündigt, aber die Sonne zeigte sich den ganzen Tag am wolkenfreien Himmel. Es blieb mir nichts Anderes übrig, als die Mammutmütze als Sonnenhut zu tragen. Eine schweisstreibende Angelegenheit, wie auch die Wanderhosen, die ich dann gegen die letzten sauberen Jeans eintauschte, um nicht den Hitzetod zu sterben.
Heute fahren wir Richtung Godafoss, dem offenbar meistfotografierten Wasserfall Islands. Na ja, nach Skógafoss und Seljalandsfoss haut der einem nicht mehr gerade aus den Socken. Es ist eine Art Rheinfall auf Ecktreppenstufe. Vielleicht wäre die Wahrnehmung auch anders, wenn das nicht ein Touristenziel erster Wahl wäre. Da werden ständig Busladungen weissbeturnschuhter Deppen herangekarrt, die dann nicht einmal die paar Treppenstufen zu den Aussichtspunkten schaffen. Nun ja, geht uns ja nichts an, aber so wollen wir definitiv nie werden!
Nach dem Gulfoss stand die letzte geplante Sehenswürdigkeit auf dem Programm, der Geysir. Wobei zu sagen ist, dass der Namensgeber für die Heisswasserfontänen seit längerer Zeit schon tot ist – Schlund verstopft.

Das ist Geysir bzw, was von ihm noch sichtbar ist. Scheinbar ist der Schlund durch Touristen mit Steinen verstopft worden. Klingt etwas unwahrscheinlich, aber jedenfalls brodelt es nicht mehr oder nur noch sehr selten und viel schwächer.
Das ist Geysir bzw, was von ihm noch sichtbar ist. Scheinbar ist der Schlund durch Touristen mit Steinen verstopft worden. Klingt etwas unwahrscheinlich, aber jedenfalls brodelt es nicht mehr oder nur noch sehr selten und viel schwächer.

In die Bresche springt sein kleinerer Bruder Strokkur, der es aber nicht auf bis zu 80 Meter Höhe bringt, sondern «nur» auf 25-35 Meter. Aber auch das ist schon eindrücklich und wir können mehrere Ausbrüche mitverfolgen.

Der Strokkur war nur der vierthöchste Geysir der Welt, nach dem Versiegen des Namensgebers selbst ist er nun mit 25-25 m Höhe zum dritthöchsten avanciert.
Der Strokkur war nur der vierthöchste Geysir der Welt, nach dem Versiegen des Namensgebers selbst ist er nun mit 25-25 m Höhe zum dritthöchsten avanciert.
Der Geysir ist tot, es lebe der Strokkur
Ein Heisswasserloch ohne Eruptionstendenz

Damit wäre, wie gesagt, der «offizielle» Sightseeing-Teil abgeschlossen und wir machen uns auf die Suche nach einem Zeltplatz, zuvor natürlich einem Sundlaug. Das erste Camping in Laugarvatn war so schlecht und der Eintritt zum Bad im natürlich warmen See so teuer (duschen ist ein Muss, weil das Wasser schlammig ist), dass wir uns für die Weiterfahrt entschieden. Bei Borg fanden wir beides: Sauberer Campingplatz und angrenzendes Sundlaug. Unsere Ankunft wurde von den bereits Anwesenden argwöhnisch beobachtet («You can’t stay here»). Offenbar wagten wir es an einen Ort, den Reykjaviker für ihr Wochenende reklamieren: Gartenhägli und Islandfahnen überall.
Das Sundlaug war nicht besonders, besonders war nur, dass es «wegen Wassermangel» frühzeitig schliessen musste und das in Island, was für ein Witz! Tatsächlich hat es in dieser Gegend seit längerer Zeit nicht mehr richtig geregnet. Der, der mir das erzählte, war ein mindestens 200 Kg-Mann mit Kindern, die auf gutem Weg waren, ihn einzuholen oder gar zu übertreffen. Aber sehr herzlich.

31.07.2016 Borg nach Grindavík

Entgegen der Wetterprognosen wieder ein sonniger Tagesanfang. Allerdings bin ich auch heute wieder erwacht, weil es sehr kühl war. Aufstehen, Gas andrehen, Heizung an für meine Liebsten und Kaffee kochen für mich.
Mit Google Maps die Umgebung sichten. Google Maps offline funktioniert übrigens bestens, auch die Routenfindung. So kann sogar auf ein Navi verzichtet werden, wenn man die entsprechenden Karten vorher geladen hat. Für die nahtlose Zusammenfügung der Kartenausschnitte sorgt Google Maps. Sehr empfehlenswert.
Die Strassen in Island sind generell sehr gut ausgebaut, wenn nicht gerade ein Schotterpistenabschnitt ansteht. Was aber vor allem besticht, ist die Tatsache, dass die angegebenen Geschwindigkeiten im-mer eingehalten werden können. Wenn die Höchstgeschwindigkeit 90 angegeben ist, dann können alle Abschnitte mit 90 befahren werden (ausser es hat Schafe oder Velofahrer im Weg). Und das nicht nur mit dem Standard-Fahrzeug der Isländer, dem Toyota Land Cruiser. Gefühlsmässig 90% der Weltproduktion bewegen sich auf Islands Strassen.
Auf der Fahrt nach Grindavik sind wir an den Kerið-Kratern vorbeigekommen, einer ungeplanten Sehenswürdigkeit.

Rund um die Kerið-Krater
Kerið-Krater

Das Sundlaug in Grindavik war einmal mehr grosszügig, dann ging’s noch zum Aufstocken der Vorräte, weil morgen am 1. August Feiertag ist – in Island. Jeder erste Montag im August ist Handelsfeiertag und der fällt dieses Jahr halt auf den 1. August. So feiern wir quasi gemeinsam…
Der Zeltplatz ist nicht so gross, aber sauber und modern. Mein Stil.

01.08.2016 Blue Lagoon. Grindavík nach Reykjavik Camping

Die Fahrt in die Blue Lagoon dauerte nur wenige Minuten. Ein mulmiges Gefühl überkam mich beim Eintritt. Millionen typischer Deppen-Touris. Leider bestätigte sich das Gefühl in der Garderobe, der Dusche, wo viele der Besucher die obligate Reinigung nicht machten und dann schliesslich im warmen Wasser der Lagune, wo es, trotz Verbot, von Kameras nur so wimmelte und die Leute nicht genug weis-se Silikonmaske auftragen konnten. Heerscharen von Zombies bewegten sich durch das dampfende, salzige Nass. Das Beste war das Gratisgetränk, ich hatte ein Gull-Bier und das vor 11. Dann war dann der Zapfen bald ab und wir flüchteten aus der Anlage. Den Kindern hat’s sehr gefallen, aber wir werden uns das ganz sicher nie mehr antun und auch niemandem empfehlen.

Nach all den sympathischen Sundlaugs ein absolut überflüssiges (und teures) Erlebenis. Auf jeden Fall kein "must see" in Island. Silikathaltiges Wasser.
Blue Lagoon. Nach all den sympathischen Sundlaugs ein absolut überflüssiges (und teures) Erlebnis. Auf jeden Fall kein must see in Island.
Silikathaltiges Wasser.

Danach fuhren wir auf den Campingplatz von Reykjavik, auf dem es entgegen anderslautenden Warnungen noch reichlich Platz gab. Der Campingplatz ist mit 650 Plätzen ziemlich gross, die Anlagen sind ausreichend dimensioniert und sauber. Wir waren allerdings auch früh dran und es füllte sich dann zusehends. Das bekamen wir aber nicht mit, weil wir mit dem Bus in die Innenstadt fuhren, dort unsere Schaffhauser Quartiernachbarn trafen und anschliessend wieder im Solon etwas früh zum Nachtessen gingen. Anschliessend wurde geshoppt, Madeleine erstand sich ein Paar Schuhe «Made in Portugal». Ein Besuch auf dem Kirchturm der Hallgrímskirkja präsentierte eine wunderbare Aussicht auf die ganze Stadt.

Aussicht vom Hallgrímskirkja
Aussicht vom Hallgrímskirkja

Auf dem Weg zum zentralen Bushof passierten wir noch das Isländische Penismuseum, eine Institution, die einem unweigerlich ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Isländisches Pimmelmuseum
Isländisches Pimmelmuseum

02.08.2016 Packen. Reykjavik Camping nach Keflavik

Heute das letzte Mal aus der engen Koje gekrochen, mich um 90° verdreht an der Leiter vorbeigezwängt (ich kann das inzwischen ohne Gerumpel), das Gas angedreht und Kaffee gekocht. Es ist ja erstaunlich, dass wir noch immer von derselben Gasflasche zehren, nach bald zwei Wochen kochen, heizen und kühlen (der Kühlschrank läuft im stationären Betrieb ohne Stromanschluss ebenfalls auf Gas). Dieses ganze Prozedere hat sich schon ein bisschen zur Routine entwickelt, aber gross vermissen werde ich sie nicht. Ich kann ja auch noch nicht alle Dunkelstoren hochfahren, also ist mein Bewegungsspielraum ziemlich eingeschränkt auf z.B. diesen Blog zu schreiben oder versuchen, eine erste Vorselektion der über 1’000 Bilder zu machen, was angesichts der Grösse der zur Verfügung stehenden Bildschirme ein eher aussichtsloses Unterfangen ist.
Ein letztes Mal Toilette leeren (auf einem speziellen städtischen «Versäuberungs-platz») und dann auf zur Rückgabe des Campers am Flughafen. Die Prüfung dauert etwa 4 Minuten, dann ist gut. Nach über 2’000 unfallfreien Kilometern müssen wir uns von unserem fahrenden Heim verabschieden. Fahrzeugmässig hat der FIAT Ducato X30 überrascht und uns nie im Stich gelassen.
Wir werden auch noch nach Keflavik gefahren, wo wir in’s ****Hotel einchecken und den Nachmittag im nicht sehr attraktiven Städtchen verbringen. Wir gehen in’s «Lemon» essen, danach ist Lily und mir schlecht.
Morgen freue ich mich dann auch auf’s Abrasieren meines Isländer-Bartes. Sieht zwar nicht übel aus, aber stört. Nein, das werde ich nicht vermissen!

03.08.2016 Rückflug Keflavik nach Zürich

Wir mussten früh aufstehen. Der Flug war für 07:20 geplant und zweieinhalb Stunden vorher sollte man auf dem Flughafen sein. Da wir gestern schon ein Pre-Checkin gemacht hatten, konnten wir diese Lead-time auf etwa eine Stunde verkürzen. Nach einem etwas skurrilen Frühstücksbuffet ein Gratis-Transfer zum Flughafen, wo das pure Chaos herrschte. Für uns ging’s aber relativ schlank und wir ergatterten sogar einige der wenigen Sitzgelegenheiten am Gate. Unverständlich, warum hier noch runtergekühlt wird. Einsteigen konnten wir dann in die «Hekla Aurora», eine B 757, die ganz in den Farben des Nordlichtes bemalt war. Auch die Innenbeleuchtung flackerte entsprechend. Start bei schönem Wetter und über Blue Lagoon und Grindavík verliessen wir Island.

Rückflug
Über Grindavik verlassen wir Island

Leider praktisch keine Sicht nach unten, dafür eine Kreuzung mit einer A 380 auf 12’000 Meter Höhe.
Anflug über den Schwarzwald und Landung auf Piste 14. Und natürlich gab’s eine Panne beim Gepäckauslad. Jedenfalls warteten wir eine gefühlte Ewigkeit.
In Schaffhausen holte ich das Auto, damit wir die schweren Northface-Gepäckstücke nicht im Bus transportieren mussten.

Island? Ganz sicher wieder!

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