Botanischer Garten Basel

Nicht wie ursprünglich vorgesehen Bern, sondern Basel war das Ziel unserer «Makro-Exkursion».

Vermutlich ein schlauer Schachzug von Susi, denn die Wahrscheinlichkeit, auf Sonne zu treffen, ist hier in dieser von zähem Hochnebel über dem Mittelland geprägten Jahreszeit doch einiges grösser. Und – Blitz-Freaks und Studiofotografen überspringen den Rest des Satzes – schönes natürliches Licht ist durch nichts zu ersetzen…

Ziel war, verschiedene Techniken in einer «natürlichen» Umgebung anzuwenden. Da bleibt im Januar in unseren Breitengraden fast nur der Besuch eines botanischen Gartens, obwohl da und dort schon einige Frühlingsboten mutig ihre Blüten der Sonne entgegenstrecken.

Die Hintergrundgestaltung ist enorm wichtig und beeinflusst die Wirkung eines Bildes massgeblich. Auf der einen Seite soll das Hauptmotiv nicht konkurrenziert, auf der anderen Seite aber auch nicht isoliert im Raum stehen gelassen werden. Mit gezielter Beleuchtung kann dies beeinflusst werden, wobei natürlich nicht nur der Hintergrund, sondern auch das Motiv selbst davon betroffen werden, wie folgende Beispiele zeigen («before» ist in natürlichem Licht, «after» mit Ringlicht. Die Bilder sind im Übrigen nicht nachbearbeitet!):

Ein weiteres Beispiel:

Ein weiteres Thema waren durchscheinende Lichter, was bei der vorhandenen Pflanzen- und damit Blätter-Vielfalt eine dankbare Aufgabe war. Als Herausforderung macht sich die im Makrobreich geringe Schärfentiefe bemerkbar, die eine möglichst senkrechte Ausrichtung auf die Motivebene verlangt, um über das gesamte Bild genügend Schärfe zu haben.

Durchlicht 1
Durchlicht 2

Die Verwendung des Balgengeräts war eine interessante Erfahrung, weil mit Abbildungsmassstäben >1 schon fast der Mikro-Bereich gestreift wird. Es ist auch eindrücklich, wie stark sich kleinste Vibrationen auswirken. Ich konnte glücklicherweise anstelle meines (im Übrigen sehr guten) leichten Reisestativs Simons gefühlt 100 Kg schweres Manfrotto dazu benützen. Nach den jeweiligen Einstellungen (nur über Live-View) musste ich jeweils vor dem Auslösen warten, bis die Vibrationen abgeklungen waren.

Das Blatt wurde mit einer starken Taschenlampe von hinten durchleuchtet
50 mm-Objektv mit voll ausgezogenem Balg 200 mm ergibt einen Abbildungsmassstab von 4:1. Hier sind wir bereits auf Zellgrösse angelangt.
Noch ein Bild mit Vollauszug. Was ist das? Ein Ausschnitt aus der Feilenoberfläche eines Leathermen-Tools.

Das waren bisher eher technische Themen. Wenn es aber um die Gesamtgestaltung geht, dann wird es einiges – schwieriger… Das Titelbild zum Beitrag ist mein «Susi-Bild». Was ich mit Susi-Bild meine, ist auf Susis Website ersichtlich.

Der Hintergrund ist zu unruhig und dominiert das Motiv. Die Blüte misst im Übrigen nur etwa 6 mm im Durchmesser.
Technisch nicht schlecht, aber langweilig
Oberflächenspannung
Der scharfe Bereich rechts lenkt zu stark ab
Die Blüten sind zuwenig prominent, die Blätter auf dem Wasser zu dominant
Ein bisschen mehr Schärfentiefe für die Blüte links wäre toll
Der Ansatz ist gelungen…
Neben exotischen Vögeln entdeckte Stephan im Tropenhaus auch einen Leguan.
Über drei Stunden nach dieser Aufnahme fand ich das Reptil noch immer in genau derselben Position vor.

Es war ein intensiver Tag, obwohl die Motive grösstenteils sehr klein waren.