Island Westen und West-Fjords

22.07.2018

Kein Vorabend-Check In mehr

Damit wie leicht an den Flughafen reisen können, wollte ich wie letztes Mal den Vorteil des Vorabend-Checkins ausnützen. Leider gibt’s das nicht mehr. Ich fuhr trotzdem nach Kloten, dann würden wir das Gepäck halt deponieren. Unglaublich, wie da im Rahmen des Circles gebaut wird. Auch habe ich keine Ahnung mehr, welches Parkhaus wohl das schlauste ist. Ich bin mal ins 2 gefahren. Beim Liftausgang an der Info nach der Gepäckaufbewahrung gefragt und die ist dort gleich um die Ecke. 48 Franken wird das kosten, aber das ist egal. Jedenfalls war ich nach 10 Minuten schon wieder draussen.


  • Die gesamte Reise als Google Earth-Datei (KMZ). Datei herunterladen und in Google Earth öffnen.
  • Mehr Bilder auf flickr.

23.07.2018

Flug ohne Fensterplatz

Keflavík International Airport – Reykjanesbær (McRent) – Camping Sandgerdi (14 km)

Zur Zeit der Buchung war noch eine Boeing B-757 vorgesehen und wir hätten einen Fensterplatz gehabt, aber auf Grund der grossen Nachfrage kam eine B-767 zum Einsatz, ein Widebody mit einem Sitz pro Reihe mehr. Also sass ich am Gang und der Rest der Familie besetzte die mittlere Dreierbank. Während dort fleissig Filme geschaut oder gelesen wurde, versuchte ich zu schlafen, was mir nicht schlecht gelang.

Der Flug war unproblematisch, aufs Gepäck warteten wir eine gefühlte Ewigkeit. Aber Sigi von McRent war noch da und nahm uns mit unserem Wohnmobil gleich in Empfang. Dann gab’s die obligate Einführung und bald schon waren wir auf dem Weg zum Camping in Sandgerdi, den wir als ersten Übernachtungsort ausgesucht hatten, um uns wieder etwas zu «akklimatisieren». Nicht ohne natürlich einen ersten Grosseinkauf bei Netto.

Der Sandgerdi Campsite ist nicht sehr gross, aber soweit zweckmässig und hat einen funktionierenden Stromanschluss.


24.07.2018

Fahrt mit Pause im Sundlaug

Camping Sandgerdi – Gardabaer (IKEA) – Laxa i Kjos – Borgarnes Swimming-Pool – Laugargerðisskóli (217 km)

Ich liess meine Siebenschläferfamilie zurück und machte mich früh auf die Erkundung der Umgebung in Sandgerdi. Viel bietet der Ort nicht wirklich, gleich neben dem Camping bin ich auf einige Islandpferde gestossen (was eigentlich nicht wirklich erwähnenswert ist, weil das eigentlich überall der Fall ist).

Über Reykjavík fuhren wir Richtung Island West, aber vorher gingen wir noch in die IKEA einkaufen. Das letzte Mal hatten wir Probleme mit den viel zu kleinen Pfannen (man erinnert sich gerne an den Fall «Bohnen im Wanderschuh» in Skaftafell). Und anschliessend haben wir im Bonus noch die Lebensmittelvorräte ergänzt.

Am Laxa i Kjos machten wir einen ersten Halt, um so richtig «anzukommen». Schon vor zwei Jahren haben wir uns dort die Füsse vertreten. Jetzt ist alles abgesperrt, es hat offenbar einfach zu viele Touristen, die überall reintrampen.

Bevor wir aber den nächsten Campingplatz auf dem auf die Westhalbinsel ansteuerten, suchten wir uns zu Wohlfühlzwecken einen Sundlaug. In Borgarnes wurden wir fündig und mit unserem Wohnmobil machten wir allen auf dem Parkplatz eine grosse Freude.

Der Zeltplatz selbst in Borgarnes war aber nicht nach unserem Geschmack und so fuhren wir weiter Richtung Norden. Das Campsite Eldbogarhraun schien alles zu haben, was man benötigt und dass es einem Hotel angeschlossen war, liess doch einiges erwarten. Leider war das Ganze schon ziemlich abgefackt, aber damit muss man auch klarkommen. Der Stromanschluss befand sich mitten in der aufgeweichten Wiese.

Mit Schwung schaffte ich die Kurve, aber der einzige andere anwesende Camper, ein Schweizer aus dem Kanton Vaud, meinte, dass ich hier nie mehr rauskommen würde. Ich glaubte schon, dass schwierig werden, aber  dann schon klappen würde.


25.07.2018

Camper versenkt

Laugargerðisskóli – Arnarstapi (Gatklettur) – Lóndrangar – Hellissandur Camping (113 km)

Es regnete die ganze Nacht und meine Bedenken bezüglich der aufgeweichten Wiese wurden gösser und grösser.
Trotzdem machte ich am frühen Morgen eine kleine Erkundungstour in die Umgebung.

Es musste ja so kommen, wie es kommen musste. Die ganze Nacht über regnete es immer wieder teilweise ziemlich stark und ich hatte wegen der durchnässten Wiese doch einige Bedenken, was denn die Weiterfahrt betreffen würde. Und tatsächlich waren die Hinterräder am Morgen beinahe 10 cm eingesunken. Ist ja auch kein Wunder bei Einfachbereifung, grossem Überhang und dreieinhalb Tonnen Gewicht. Da war der Vorderradantrieb auch nicht gerade förderlich. Mein Ziel war es nun, das Vehikel auf die hinter die Reifen gelegten Kanthölzer hinaufzuschaukeln, ohne dass die Vorderräder durchdrehen, weil dann eh Schluss mit lustig wäre. Mit dem Schalten hatte ich es ziemlich im Griff, aber der Schwung reichte nicht, um auf die Latten raufzukommen. Es wäre ja viel schlauer gewesen, die bereits gestern auszulegen und darauf zu parkieren, aber im Nachhinein ist man ja immer schlauer. Es ging also nicht und das blieb auch im übrigen Zeltplatz nicht unbemerkt. Jedenfalls hat dann ein freundlicher Ungare anerboten, uns aus dem Dreck zu ziehen, sobald er gepackt hätte. Ich bereitete mal die Abschleppöse vor und dann rauschte er mit seinem Landcruiser V8 heran. Es war eine Sache von wenigen Sekunden und wir standen wieder auf befestigtem Grund. Auch Madeleine beruhigte sich wieder und die Kinder freuten sich ob der Abwechslung.

Ziel des heutigen Tages war der Snæfellsjökull, ein schneebedeckter Vulkan ganz im Westen von Westisland. Er erhebt sich über 1’400 m über Meer und ist begeh- und mit speziell ausgerüsteten Pistenbullis auch befahrbar. Zuerst machten wir aber Halt in Arnarstapi und bewunderten die Basaltbögen der Küste (Gatklettur) sowie die Dolinen mit den unzähligen Mövennestern.

Das wäre dann auch der Ausgangspunkt gewesen für die Tour auf den Snæfellsjökull aber bei den Preisen von mindestens 13’800 ISK (ca. 140 Fr.) pro Person für drei bis vier Stunden nahmen wir davon Abstand. Madeleines Plan B liess sich leider auch nicht verwirklichen, weil der Besuch der Basaltkavernen bis am späteren Nachmittag bereits ausgebucht war. So machten wir uns auf den Weg über die Küstenstrasse in den Norden, nicht ohne die riesigen Felsnadeln von Lóndrangar noch aus der Nähe zu betrachten.

Der Campingplatz von Hellissandur war sauber und hatte befestigte Stellplätze für Wohnmobile, war also nach der morgendlichen Erfahrung ganz nach unserem Geschmack.


26.07.2018

Knapp vorbei ist auch daneben

Hellissandur – Svödufoss – Kirkjufell – Tjaldstæði, Stykkishólmur (74 km)

Kurz nach der Abfahrt in Hellissandur kreuzten wir den Svödufoss, den wir uns aus der Nähe anschauen wollten.

Heute stand eines meiner Mussziele auf dem Programm: Der Berg Kirkjufell (Kirchberg). So wie das Matterhorn die Schweiz repräsentiert, steht der Kirkjufell für Island. Auf dem Weg zu unserem Tagesziel Stykkishólmur würden wir ihn kreuzen. Leider sind wir dran vorbeigefahren. Das hatte aber damit zu tun, dass der Kirkjufell nur genau aus einer Richtung die spezifische Form hat und vor allem immer mit Wasserfällen im Vordergrund gezeigt wird, aber das passte irgendwie nicht zum Ort, den wir passiert haben. Also zurückfahren und tatsächlich, wir konnten den Kirkjufell von seiner Schokoseite sehen, mit Wasserfall im Vordergrund. Bisher hatte ich immer den Eindruck, der Berg liege in einer abgeschiedenen Gegend, die Strasse zwischen Wasserfall und Berg selbst war mir nie aufgefallen. Richtige Perspektive, etwas HDR (High Dynamic Range) beigemischt und schon war DAS Island-Kitschbild im Kasten. Toll (siehe Beitragsbild ganz oben).

In Stykkishólmur würden wir dann morgen die Fähre zu den Westfjords nehmen, das erspart einem eine Tagesreise durch unwirtliche, ja sogar langweilige Gegenden.

Aber nach dem Einkauf im Bonus erstmal noch in den Sundlaug. Der war vom Camping aus zu Fuss erreichbar.

Die Fahrt mit der Fähre buchte ich online mit dem Handy, bei der Länge des Campers habe ich mit 6 m etwas untertrieben (7.28 m wäre korrekt gewesen, Breite 2.33 m, Höhe 3.1 m, Gewicht 3’499 kg). Wenn sie’s dann merken sollten, dann zahlen wir halt noch drauf.


27.07.2018

Milliarden von Fliegen und ein fast 10 km langer, teilweise einspuriger Tunnel

Stykkishólmur – Flatey (Fähre Boldur) – Brjánslækur – Dynjandi – Vestfjarðagöng Tunnel – Ísafjörður – Bolungarvík (197 km)

Trotz der nur 5 Minuten Weg bis zum Hafen (Abfahrt 09:00) war früh Tagwache. Toilette, Morgenessen, alles musste ja erledigt sein und früh genug sollten wir auch vor Ort warten. Mein Online-Ticket auf dem Handy wollte der Einweiser gar nicht sehen, das solle ich dem beim Gate zeigen. Und der beim Gate meinte, ob ich denn glaubte, dass er das mit seinen alten Augen noch lesen könne. Damit war die Sache erledigt.

Die Fahrt über den atlantischen Seitenarm war ruhig und nur unterbrochen durch einen Halt auf halber Strecke bei der Insel Flatey, wo sicher die Hälfte der Passagiere ausstieg.

Der Ankunftort Brjánslækur in den Westfjords war dann doch erstaunlich: Eigentlich gar nichts. Eine Hafenmole und ein Kiosk.

Ein Grossteil der Strecke nach Ísafjörður war Schotterstrasse. Das Tempo war eher gemächlich, das Wetter wolkenverhangen. Wenigstens hatte es wenig Verkehr.

Einen ersten Halt legten wir beim Zufluss oberhalb des Dynjandi ein, eines unserer weiteren Mussziele. Den Leuten nach zu urteilen gab es hier etwas zu sehen. Der Wasserfall war nicht sehr spektakulär, dafür die Milliarden von Fliegen. Man hatte sie überall: In Ohr, Auge, Nase, Mund. Alle Leute waren sehr freundlich und winkten einander ständig zu. Das war eine grenzwertige Erfahrung.

Der Dynjandi selbst strahlt etwas Besonderes aus. Übersetzt heisst er «der Dröhnende, Tobende», aber eigentlich ist er in gewisser Weise sanft. Dieser Eindruck entsteht vielleicht dadurch, dass sich das relativ geringe Wasservolumen (8 m³/ s) oben auf 30 m und unten auf 60 m Breite verteilen. Obschon die Höhe von 100 m doch imposant ist, aber nicht bedrohlich wirkt.

Vor Ísafjörður dann ein weiteres besonderes Erlebnis: Da gibt’s einen Tunnel mit Abzweigung nach Suðureyri. Man muss sich das wie eine normale Strasse vorstellen, mit völlig normalen Wegweisern, einfach im Berg. Aber das ist nicht das Speziellste am Tunnel: Über eine weite Strecke ist er, obwohl beidseitig befahrbar, nur einspurig ausgelegt. Da gibt es ca. alle 100 m Ausweichstellen, bei denen der Gegenverkehr dann anhalten muss. Hier scheint das zu funktionieren, ich glaube bei uns wäre so ein Konzept unmöglich umzusetzen.

Nach der Enttäuschung beim Snæfellsjökull erfolgte in Ísafjörður bereits der zweite «Niederschlag»: Da am Folgetag die Costa Mediterranea erwartet wurde, waren sämtliche Touren Richtung Hornstrandir ausgebucht – alles besetzt. Also kein Wale-, Seal- und Puffin-Watching. Scheiss Massentourismus!

Der Campingplatz von Ísafjörður war nicht so nach unserem Geschmack, so machten wir uns auf die Suche nach etwas Passenderem und wurden in Bolungarvík fündig. Der Sundlaugar war gleich daneben, so war unser Glück perfekt. Der Sonnenuntergang um ca. 22:15 Uhr war spektakulär (sie wird kurz nach vier wieder aufgehen), aber dann war der Himmel bedeckt und das Jahrhunderterlebnis der längsten Mondfinsternis blieb uns verwehrt. Einmal mehr ein Himmelsereignis verpasst. Aber darin bin ich ja gut…


28.07.2018

Gratis Seal-Watching

Bolungarvík – Seljalandsdalur – Sea Liond – Hólmavík (237 km)

Ein prächtiger und wolkenfreier Morgen folgte der düsteren Nacht. Die Mondfinsternis war vorbei und übrig blieb nur noch der Neid über alle, die ihr Erlebnis ausgiebig in den sozialen Medien posteten.

Da, wie erwähnt, alle Beobachtungstouren ausgebucht waren, machten wir uns auf den Weg nach Osten, um eine weitere Chance wahrzunehmen, die Papageientaucher aus der Nähe zu sehen. Es war eine typische Fjordfahrt: An den Meer-seitigen Wendepunkten sah man immer schon sehr nahe, wo man dann in 30, 40 Minuten sein würde.

Bei Dvergasteinn schien es etwas zu sehen zu geben. Weit im Tal hinten plätscherten einige Wasserfälle, aber das ist ja für Island nicht wirklich ungewöhnlich. Aber wo waren dann alle die Leute des Tourbusses? Wir wollten es herausfinden und wateten einige hundert Meter durch mooriges Gebiet, bis wir zu einer Schlucht gelangten mit einem wirklich schönen Wasserfall. Sogar ein Besucherbuch lag «in the middle of nowhere» bereit, wo wir uns auch eintrugen.

Einige Zeit später, bei Litlibær, konnten wir eine Robben-Kolonie beobachten. Es war herrlich anzuschauen, wie die Tiere am Strand fläzten. Und das alles gratis (vermutlich konnte niemand gefunden werden, der in dieser gottverlassenen Gegend Tickets verkaufen wollte)!

Der Campingplatz in Hólmavík war schön gelegen und hatte einen Sundlaug direkt angeschlossen. Die Online-Anmeldung für die Bootstour zur Papageientaucherinsel Grimsey war zu kurzfristig, wir sollten uns direkt mit dem Operator in Drangsnes in Verbindung setzen. Der meinte «kein Problem», wir sollten einfach vorbeikommen.


29.07.2018

Sturm

Hólmavík – Drangsnes – Hólmavík – Króksfjarðarnes (100 km)

Am Morgen nach einer regnerischen Nacht noch ein Besuch des Sundlaugs. Für eine Stunde hatten wir ihn für uns alleine. Es war zwar sonnig, aber der Wind frischte immer mehr auf. McRent hatte mir auch eine Windwarnung geschickt, bisher betraf es aber nicht die Gegenden, in denen wir uns bewegten. In Drangsnes, nach über 30 km Fahrt, teilte uns der Operateur dann aber mit, dass er nicht zur Insel Grimsey hinausfahren würde, zuviel Wind… Das hätte er mir auch am Telefon sagen können der Depp. Später habe ich dann festgestellt, dass er das auch gemacht hat, ich habe nur die Combox nicht abgehört. Also den Deppen nehme ich zurück und entschuldige mich.

So, das wäre dann mehr oder weniger die letzte Möglichkeit gewesen, etwas Frust machte sich schon bemerkbar. So starten wir unsere Fahrt in den Süden etwas früher als geplant (der Plan war eh schon längst hinfällig), der böige Wind machte das Fahren zu einer mühsamen Angelegenheit. Der Camper hat auch eine riesige Angriffsfläche und ist windschlüpfrig wie ein Gartenhäuschen. Nicht lustig. Nach einem Halt bei einem Laden für isländisches Handwerk in Króksfjarðarnes war an ein Weiterfahren nicht mehr zu denken. Ich richtete das Fahrzeug noch in Windrichtung aus und blockierte damit etwa drei Parkplätze, was zu angeregten Diskussionen mit meiner geliebten Ehefrau führte.

Es war sonst ein emsiges Kommen und Gehen von Einheimischen und später erfuhren wir auch den Grund: Es war das Ende eines zweitägigen Festes und nicht mehr alle waren fahrtüchtig, daher fand ein reger und ziemlich unkoordinierter Taxibetrieb in alle Richtungen statt.

Weil es neu in Island verboten ist, mit Wohnmobilen ausserhalb von Campingplätzen zu nächtigen, suchten wir das Gespräch mit den Besitzern und stiessen auf sehr freundliches Wohlwollen. Wir würden die Nach wohl hier verbringen müssen, es könne sein, dass es dann morgen früh zu einer Beruhigung komme, aber wir dürften uns ein geeignetes Plätzchen im Windschatten des Gebäudes suchen.

Trotz Windschatten hatte man ständig den Eindruck, als wolle uns jemand für die entgangenen Bootsfahrten entschädigen. Es rüttelte und schwankte und war nicht wirklich gemütlich. Man konnte nur hoffen, dass niemand seekrank würde.


30.07.2018

Langer 19. Hochzeitstag

Króksfjarðarnes – Deildartunguhver – Húsafell – Hraunfossar – Akranes (250 km)

Um etwa 4 Uhr früh schien es etwas abzuflauen. Nach einigen Restböen entschieden wir uns zur Weiterfahrt. So hatten wir auch unsere völlig autarke Nacht im Camper wohl überstanden.

Die Kinder zügelten ihre Bettwäsche einfach auf die Sitze hinunter und schon bald waren wir über den Gilsfjörður-Damm Richtung Süden unterwegs. Der Wind war zwar noch immer stark, aber nicht mehr beängstigend.

Aber das Licht! Unglaublich, was sich da in der Zeit vor Sonnenaufgang und danach abspielte. Atemberaubend schön. Leider war ich der einzige, der das mitbekam, der Rest der Familie übte sich im Schlaf der Gerechten. Bis auf Madeleine, sie sorgte zeitweise und nach verfügbaren Kräften für Unterhaltung bzw. Direktiven. Das Fahren war sonst sehr angenehm, ausser Müllwagen war niemand unterwegs.

Schliesslich erreichten wir ein erstes Tagesziel, die Quellen von Deildartunguhver, schon zu einer morgendlichen Unzeit. Es handelt sich um die wasserreichsten heissen Quellen des Landes. Sie haben einen Ausstoss von 180 Liter/Sek. an 100 Grad heißem Wasser. Pipelines führen das Wasser bis in das etwa 60 km entfernte Akranes.

Als Zeltplatz hatten wir Húsafell gewählt, aber der passte uns irgendwie nicht. Vor allem aber schien es keine befestigten Stellplätze mit Strom zu geben. Also beschlossen wir, weiter nach Akranes zu fahren, nicht ohne einem der schönsten Wasserfälle, dem Hraunfossar nach zwei Jahren einen erneuten Besuch abzustatten.

In Akranes fuhren wir dann zuerst zum Sundlaug und genossen die grossartige Aussicht auf das Stadion des 21-fachen Isländischen Meisters, den Strand und Reykjavik im Hintergrund. Auf dem Campingplatz fanden wir einen Stellplatz auf einem ehemaligen, heute gesperrten Fahrweg. Für den Anschluss des Stromkabels musste ich unser fahrbares Heim noch ca. 20 cm verschieben. Trotz schönem Wetter fasste ich die freiliegende Kupplung mit Plastiksack und Kabelbindern ein, weil der nächste Regenschauer normalerweise nicht weit ist.

Einkaufen gingen wir zu Fuss an Pferdeweiden vorbei im Bonus. Den Blumenstrauss, den ich Madeleine zum 19. Hochzeitstag schenken wollte, lehnte die besagte schnöde ab, wir hätten ja nicht einmal eine Vase. Ich wäre endlich das Stigma des «Nicht-Schenkers zum Hochzeitstag» los geworden. Enttäuscht über diesen rüden Korb brachte ich die Blumen zurück.

Auch für meine Verhältnisse schon ziemlich früh aufgestanden, fast 200 km bei starkem Wind gefahren, ich war schon etwas kaputt. Zwei Thule-Biere gaben mir den seligen Rest…


31.07.2018

Fauler Tag in Akranes

Heute war ein fauler Tag angesagt. Langes Ausschlafen für alle, inklusive ich. Abgesehen davon war ich aber der einzige, der etwas unternahm. Nämlich zu Fuss in den Sundlaug. Ich brauchte vom Campingplatz aus nur knapp 11 Minuten. Es ist jedes Mal ein besonderes Erlebnis: Nackt duschen und mit Seife waschen (ist Gesetz in Island!), danach in den Hot Pot bei bis zu 42°, Cold Pot (2-8°), Dampfbad und wieder von vorne. Und zwischendurch mal im Schwimmbecken schwimmen. Am Abend aus dem «Schlafzimmerfenster» des Wohnmobils den schönsten Sonnenuntergang mit Blick auf den Snæfellsjökull präsentiert bekommen.


01.08.2018

Dreimal vom Pferd gefallen

Nach einem kühlen Vorabend ein sonniger und warmer Tagesbeginn. Es blieb so, den ganzen Tag. Das hat bei einigen der Familie zu einer deutlichen Farbveränderung Richtung rot geführt (Lily und ich). Relativ früh schon marschierten wir zum Strand von Akranes, dem einzigen offiziellen Badestrand Islands. Gestern beim garstigen Wetter hatte es niemand dort, heute eine Person, längere Zeit halb im Wasser. Madeleine und Mia hatten sich mindestens die Füsse nass gemacht, für Mia war es definitiv zu kalt. Welche Wohltat danach im wohltemperierten Sundlaug. Akranes hat den mit Abstand billigsten Sundlaug, den wir je besucht haben. 1’200 ISK für die ganze Familie, sonst konnte es locker das Doppelte sein.

In einem Werkzeugladen eine Bürste gekauft, um die Wanderschuhe noch Städtereisentauglich zu machen. Danach zu Fuss eine neue Gasflasche geholt. Madeleine hat inzwischen vorgepackt, sodass wir dann morgen zügig losfahren können und mindestens das Gepäck im Hotel deponieren können.

Habe bei einem letzten Einkauf im Bonus noch Karotten gekauft, um die Pferde auf dem Weg dahin anzulocken. Es müsste doch möglich sein, sich einmal drauf zu setzen. War es auch. Ich hab’s doch dreimal geschafft, allerdings waren die Ritte jeweils von sehr kurzer Dauer (auf dem falben Pferd, siehe oben). Das Problem war, dass sich die Pferde nicht zu einem Kubus locken lassen wollten, der ein einfaches Aufsteigen erlaubt hätte, sondern ich musste mich vom Boden auf das ungezäumte und ungesattelte Tier schwingen. Das hat doch immer zu etwas Unruhe geführt, die mich letztlich die Balance gekostet haben. Aber der moorige Boden war weich. Ich war dafür etwas schmutzig und bei der Rückkehr gleich zum Händewaschen geschickt worden. Leider nicht ganz erfüllt…

Packen mussten wir auch noch. Die Aufteilung ist etwas anders als bei der Ankunft: Ein Dufflebag ist für Schmutzwäsche reserviert. Im Hotel werden wir dann eh nochmal umpacken müssen, weil ich meinen Rucksack nicht als Handgepäck in die Kabine nehmen darf.

Das letzte Mal Nachtessen im Camper. Das wird uns wieder fehlen, auch der anschliessende Abwasch (Morgen und Mittag Kinder, am Abend ich). Trotz allem.


02.08.2018

Abgabe Camper

Akranes – Reykjavík (Centerhotel Arnarhvoll) – Reykjanesbær (98 km)

Zum zweiten Mal «früh» aufstehen: Da wir den Camper um 11 Uhr in Reykjanesbær beim Keflavík Airport abgeben mussten, war eine Abfahrt um spätestens 9 Uhr nötig. Für Verwirrung sorgte das Navi, das 85 km und eindreiviertel Stunden angab. Der Grund wurde uns dann klar, als wir Richtung Hvalfjörður Tunnel abbogen: So war das in der Route nicht vorgesehen, sondern ein riesiger Umweg um den Hvalfjordur.

Nachdem ich die Familie in Reykjavík beim Centerhotel Arnarhvoll abgesetzt hatte, machte ich mich alleine auf den Weg zu McRent. Eine lange, nicht sehr abwechslungsreiche Fahrt, aber Punkt 11 Uhr bin ich dort eingefahren. Die Rückgabe des Campers war schnell erledigt, wir waren vorbildlich sauber…

Die Rückreise nach Reykjavík war dann nochmals ziemlich mühsam und, wie alles in Island, schweineteuer: Zuerst ein Taxi für fast 2’000 Kronen zum Flughafen und dann den FlyBus ins Stadtzentrum, macht weitere 3’950 Kronen (100 Kronen ≈ 1 Franken).

Vor dem Hotel bin ich dann auf meine Familie getroffen, die von einer ersten Shopping-Tour zurück war. Jetzt konnten wir endlich die Zimmer beziehen und uns kurz ausruhen, denn bald schon ging es weiter, mit 66 North, Geysir, Húrra, Vintage etc. etc.

Nach der Happy Hour im Hotelrestaurant in der obersten Etage freuten wir uns aufs Nachtessen in unserem bevorzugten Lokal vom letzten Mal, dem Sólon Bistro. Leider waren nur die Preise gestiegen, nicht aber die Qualität, die war geradezu enttäuschend. Schade.

Noch ein paar Shops und dann ging es zurück ins Hotel, wo wir richtige Betten schon wieder sehr schätzten.


03.08.2018

Doch noch Papageientaucher zu Gesicht bekommen

Das Frühstücksbuffet konnten wir am Tisch mit der besten Sicht geniessen.

Als Ersatz für alle entgangenen Exkursionen wagten wir noch einen letzten Versuch: Besuch der Papageientaucher auf den Inseln direkt vor Reykjavík. Leider war es den ganzen Vormittag schon ziemlich verhangen, der Regen hielt sich noch zurück, bis wir mit unserem Boot Skúlaskeid aus dem Hafen tuckerten. Vor Reykjavík leben etwa 30’000 Paare der nur 20 cm grossen Vögel, die eine Lebenserwartung von 15-30 Jahren haben und monogam leben. Momentan ist die beste Zeit, sie zu beobachten, weil sie ihre Brut füttern (immer nur ein Kind). Dabei werden sie um des Futters willen von Gryllteisten, Krähenscharben, Küstenseeschwalben und Dreizehenmöven richtiggehend angegriffen. Da spielen sich richtige Luftkämpfe ab. Das geht alles rasend schnell und es ist schwierig, das fotografisch festzuhalten. Dazu regnete es inzwischen so stark, dass man klatschnass wurde. Den Objektivfilter musste ich mehrmals trockenreiben. Ein weiteres Handicap war natürlich die geringe maximale Brennweite von nur 200mm. Wenigstens habe ich eine derart grosse Auflösung, dass ich auch massiv croppen kann und das Bild immer noch einigermassen aussieht. So ein 500 mm wäre schon toll gewesen… Aber es hatten alle ihre Freude, Mia meinte sogar, das sei das Süsseste, was sie je gesehen hätte.

Nach der etwas mehr als einstündigen Fahrt machten wir noch einen Abstecher zum Ingólfur Park mit Zwischenverpflegung. Danach gingen die Kinder ins Hotel und ich mit Madeleine noch zur Harpa, der isländischen Oper, die sich durch eine extravagante Architektur auszeichnet.

Danach gingen auch wir zurück ins Hotel zum frühen Nachtessen, weil wir morgen wirklich früh aufstehen müssen.


03.08.2018

Heimreise nach sehr frühem Aufstehen

Taxi Reykjavík – Keflavík International Airport

Tagwache war um 03:00. Das hatten wir auch schon, aber es ist ungewöhnlich, wenn es draussen nicht ganz dunkel ist. Noch einen Kaffee und ein Mini-Gipfeli und schon fuhren wir mit dem Taxi Richtung Keflavík Airport. Für den Taxifahrer war es nicht ganz einfach, weil die Familie ununterbrochen laberte.

Nach dem üblichen Problem beim Self-Check In und falschem Anstehen bei der Gepäckabgabe ging eigentlich alles gut. Diesmal hatten wir unseren Fensterplatz, auch wenn wieder eine B 767 zum Einsatz kam. Ich war zum Start am Fenster, um noch einige Bilder machen zu können und wechselte dann mit Lily. Den nach dem Verlassen des Isländischen Festlandes langweiligen Flug verkürzten wir uns mit dem Movie «Why him?».

Der Ausstieg in Zürich war niederschmetternd. Nach zwei Wochen Temperaturen zwischen 10° und 19° schlug der tropische Hammer mit weit über 30° unerbittlich zu. Mit der S24 hatten wir eine direkte Verbindung nach Schaffhausen, dann holte ich das Auto, um die Gepäckstücke nach hause zu transportieren.

In der Bahnhofsunterführung trafen wir noch Ilyas und machten gleich zu einem Apéro in der Parkvilla ab (endete für mich ziemlich spät, um halb zwei Uhr kam ich nach hause).

Lily hatte bereits auswärts Übernachten abgemacht und auch Mia verschwand in den Ausgang. Zurück blieb eine erschöpfte Madeleine mit Bergen von Wäsche – die Stimmung heben mochte etwas das fertig geplättelte Badezimmer. Das wird hammermässig.

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