Perspektivenkorrektur

Nur bei absolut horizontaler Kamerahaltung lassen sich stürzende Linien z.B. bei der Architekturfotografie verhindern. Meist reicht dann aber der Aufnahmewinkel nicht, um das gesamte Objekt zu erfassen.

Diesem Dilemma ist aber auf verschiedene Weise beizukommen. Zum Thema hat der Fachkamerahersteller ALPA OF SWITZERLAND eine sehr gute Übersicht verfasst: «Parallelverschiebung und Scheimpflug-Schwenkung».

Mit einer ALPA 12 MAX versuchten wir denn auch das Schulungsgebäude in Baden ohne stürzende Linien zuerst auf die Mattscheibe und dann auf den Sensor zu bannen. Ein unglaublich archaischer Vorgang, der vor allem in der analogen Zeit unheimlich grosses Fachkönnen zum Gelingen voraussetzte. Und auch sehr viel Geld. Diese Fachkameras sind so teuer wie Bedienungs-unfreundlich und genau da setzen die heute zur Verfügung stehenden Methoden an: Tilt-Shift-Objektive oder Softwarelösung. Während Tilt-Shift-Objektive (Spezialobjektive NikonCanon Tilt-Shift) physisch dasselbe Prinzip nutzen wie Fachkameras, ist die Software-Lösung die klar «billigere» Variante und eigentlich erst ein valabler Ersatz, seit sehr hochauflösende (Kleinbild-)Kameras den Pixelverlust durch die Verzerrung eingermassen akzeptabel gemacht haben. Aber auch die Software-Lösung hat gewisse Ansprüche an die Hardware: Die Brennweite des verwendeten Objektivs muss für gleichartige Resultate im Vergleich zum Tilt-Shift-Objektiv deutlich kleiner sein, damit bei den gecropten Bildern dasselbe Sichtfeld dargestellt werden kann.

Das Originalbild zur oben dargestellten entzerrten Version.
Und schliesslich das zugeschnittene Endresultat.

Stitching

Wie bereits bemerkt, muss die Brennweite bei Normalobjektiven kleiner sein als bei Spezialobjektiven zur Abbildung desselben Sichtfelds. Hier gibt es eine weitere Software-Lösung, um mangelnden Bildwinkel zu erweitern: Stitching.
Während Stitching bei Panoramabildern normalerweise keine grosse Sache ist, sind die Anforderungen bei Architekturaufnahmen etwas höher, vor allem müssen gerade Linien auch gerade bleiben. In Photoshop ist Stitching möglich und es gibt weitere dedizierte Applikationen. Eine hat meiner Ansicht nach eine besondere Erwähnung verdient: ICE. Es handelt sich hier um den Image Composite Editor von – Microsoft. Die Software ist in 32- und 64-Bit-Version erhältlich, liest RAW-Dateien (auch D850-NEF) und kann bis zu einem gewissen Grad fehlende Pixel ergänzen und ist gratis. Leider ist es nur das Produkt einer Forschungsgruppe und wird seit der Version 2.03 nicht mehr weiterentwickelt.

Diese drei Bilder sollen zusammengesetzt werden. Stürzende vertikale Linien auf der Sehebene deuten auf eine nicht horizontale Ausrichtung der Kamera hin.
Die Resultate mit Photoshop CC sind nicht gerade berauschend. Links mit zylindrischer Projektion, rechts im Auto-Modus. Die geschwungenen Balustraden sind nicht akzeptabel.
Stitch mit dem Microsoft ICE (Image Composite Editor).
Und schliesslich das gecroppte Endresultat. Über Stiching konnte der horizontale Abbildungswinkel auf 158° erweitert werden (Original bei 14mm Brennweite: 114°).

Entzerrung

Das Entzerren ist ebenfalls in vielen Applikationen möglich.  Voraussetzung für gute Resultate ist allerdings, dass man Profilkorrekturen bereits im RAW-Konverter ausführt. Ich verlasse mich bei Perspektivenkorrekturen auf DxO ViewPoint 3. ViewPoint ist aus Lightroom heraus direkt ansteuerbar.

Hier müssten die Seiten noch etwas gestaucht werden, die Türen wirken zu breit.
Der Clinch zwischen vertikalen und horizontalen Linien.
Wie immer in der Fotografie steht nicht die Technik im Vordergrund, sondern die Bildgestaltung. Die Verschiebung des Aufnahmestandortes um nur wenige cm…
…führt zu einem völlig anderen Bild.
Zum Schluss noch die Decke des «Lichthofs».